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Exklusiv: Könige der Landstraße #3: Abarth 595 Competizione – Angriff der Killertomate

Mit der Neuauflage des Fiat 500 haben sich die Italiener im Jahr 2007 zurück in die Herzen der Kleinstwagenklasse gespielt. Und schon wie über 60 Jahre zuvor sind es auch Männer, die den 500 aufgrund seiner Eigenheiten gerne fahren. Tuner Abarth hat das Potential lange erkannt und setzt den kleinen Fiat seit September abermals als 595 Competizione auf Anabolika. Was geschieht, wenn die Ladedruckanzeige auf knapp zwei Bar schnellt und die Raviolibüchse richtig heiß macht, zeigt unser Fahrbericht.

Wenn der Abarth 595 Competizione durch die Landschaft braust, ist es für die Umwelt ein bisschen als sei Rambo zurück aus dem Krieg: Die Muskeln sind gewachsen, der Gang hart wie Stahl, das Selbstbewusstsein auf dem Zenith und dazu säuft er wie ein Loch. Dabei ist der kleine Brecher immer noch ein tugendhafter Sympath: Trotz der mickrigen Abmessungen finden auch Menschen über 1,90 Meter auf den Vordersitzen Platz, der Kofferraum fasst immerhin 185, mit umgeklappten Rücksitzen sogar 610 Liter. Als ziviler Alltagsflitzer ist der 595 pomodore, pardon: competizione, also tauglich.

Es gibt aus dem Hause Abarth nun aber Kompetenzen und Angewohnheiten, die den Abarth 595 Competizione schnell aus seinem zivilen Dasein befreien: Auf dem 1.4-Liter-Vierzylinder bläst ein Garrett-Turbolader zum Kampf, der den kurzen Italiener mit zwei Bar Ladedruck gehörig anschubst. 180 PS stehen in der Sportversion zur Verfügung, die es mit gut 1100 Kilogramm Leergewicht zu tun bekommen. Die schweren Knochen hat sich der 500 durch den Turbomotor, das optionale Sperrdifferential, Stabis und die Festkolbenbremsanlage zugelegt. Auf der anderen Seite sparen klappbare Sabelt-Carbonschalen ein paar Kilogramm ein.

Der Spaß hat seinen Preis: 25 690 Euro werden für die Grundausstattung des 595 Competizione fällig. Komplett ist sie ohne das optionale Performance-Paket (2900 Euro) allerdings nicht: So kommen das mechanische Sperrdifferential, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und die Sabelt-Sitze nämlich erst ins Spiel. Ausgegangen von dieser Konfiguration erwartet den Fahrer ein sportlicher Hochsitz mit Go-Kart-Qualitäten. Wer es stilecht will, bestellt noch für 990 Euro die Carbon-Armaturenbrettverkleidung dazu. Dann ist der Zustieg in den 595 Competizione ein Erlebnis der dritten Art.

Das liegt einerseits am ausgefallenen Design, das flippige Rundinstrumente, Alcantara, Knöpfe im Oldschool-Look aber andererseits auch eine unansehnliche Klimaanlage aus dem Plaste-Standardregal vereint. Andererseits ist das Lenkrad nur in der Höhe verstellbar, sodass die richtige Sitzposition erst einmal gefunden werden muss. Die eng geschnittenen Schalensitze motivieren darüber hinaus, italienische Spezialitäten wie Pizza und Lasagne in Zukunft vom Speiseplan zu streichen. Beim Fahren sind die Kalorien aber ohnehin wie im Nu verbrannt. Und Tomaten gehen ja immer.

Im normalen Fahrmodus lässt es der 595 Competizione noch vergleichsweise ruhig angehen. Der Lader schiebt leise vor sich hin, das Ansprechverhalten bleibt zivil. Hier sind acht Liter Verbrauch realistisch. Der normale Alltagsbetrieb gelingt auf diese Weise angenehm, schnittig und mondän. Geht der Finger auf die Sport-Taste im Armaturenbrett, mutiert der 500 zu einem Feuerstuhl: Das Ansprechverhalten und der Ladedruck steigen, die Auspuffklappen der serienmäßigen Dual-Mode-Abgasanlage Record Monza sind voll geöffnet. Der Turbolader zwitschert dann schon im Leerlauf wie ein dicker Piepmatz. Ab 4000 Umdrehungen in der Minute schießt der Abarth den Vogel dann gänzlich ab. Fast zwei Bar Ladedruck pressen die Kolben in die Pleuele und bei der Gaswegnahme klingt's wie in eine Tuba gehustet. Die Italiener wissen einfach, was Spaß macht - da fallen 12 Liter Sprit bei schwerem Fuß nicht so ins Gewicht.

Die Verbindung zur Straße stellt der 595 Competizione auf eine Weise her, die man einem Kleinstwagen nie zutrauen würde. Das Vorderachsdifferential koppelt die Pneus zuverlässig mit dem Teer. Beim beherzten Herausbeschleunigen aus engen Kurven ist stetig Grip vorhanden; selbst auf den zum Testzeitpunkt montierten Winterpneus. In 6,7 Sekunden sind Tempo 100 Kilometer pro Stunde erreicht, bis 225 km/h zieht der 1.4-Liter-Turbomotor durch. Bei dem kurzen Radstand ist das nichts für schwache Nerven: Unebene Landstraßen fordern dann stetige Korrekturen und das Heck tanzt beim Bremsen schnell aus der Reihe. Selbst der Graf von Münchhausen hätte es hier mit der Angst zu tun bekommen.

Glücklicherweise hat Abarth mit einem gut abgestimmten ESP reagiert. Erst wenn es wirklich brenzlig wird, kümmert sich das System um die Verringerung von Schlupf und Tanz. Bei einer Vollbremsung halten den 595 Competizione nämlich nur erlesene Fahrer im Zaum. Für regnerische Tage wäre eine Abschaltmöglichkeit angesichts des starken Drehmoments von 250 Newtonmetern zwar wünschenswert aber kein Aufreger. 2,3 Meter Radstand ohne doppelten Boden sind vielleicht auch etwas zu viel des Guten.

Das Besondere am Abarth ist aber nicht, wie er vorwärts und seitwärts fährt, sondern die Emotion. Durch den traditionell abgestimmten Turbomotor kommt die Leistung erst am oberen Ende des Drehzahlbandes voll durch. Das spart einerseits Sprit im Alltag, führt aber andererseits zu einer Suchtbeziehung mit dem Turbolader. Aufgrund der pompösen Geräuschkulisse sind Enthusiasten stetig versucht, im dritten Gang über 65 km/h zu kommen, um das Donnern und Drücken nahe zu wissen. Im Stadtverkehr wartet mancher darauf wie ein Kind auf die Schulglocke.

Andere Aspekte sind die Außenwahrnehmung und das nahe Umfeld. In einem 595 Competizione mitfahren gleicht eher einer beliebten Freizeitaktivität, denn gezieltem Transport. Das scheint auch die Außenwelt zu wissen, die den knallroten Zwergenferrari wie eine Comicfigur wahrnimmt. Sympathische Blicke Erwachsener; und Kinder, deren Finger unnachgiebig in Richtung des kleinen Knallkoffers zeigen, sind die Folge. Etwas über die Stränge zu schlagen, erzeugt kaum Ärger beim sonst so lehrerhaften Deutschen. Eher wird belustigt gelächelt, wenn abermals der fauchende Lader aufheult. Frech sein aber unschuldig gucken – das kann der Abarth.

Zum König der Landstraße verdient sich der Raketen-Cinquecento Punkte mit seinem scharf abgestimmten Koni-Fahrwerk, das noch Restkomfort zu bieten hat und seinen kurzen Radstand. Enge Kurven sind für den 595 Competizione nicht einmal bei Vollgas ein Problem, weil die Hinterachse dosiert mitgeht und die Lenkung direkt und ehrlich in der Hand liegt. Für Kurzstreckenfahrer und Enthusiasten funktioniert der Italiener durch vollen Nutzwert auch im Alltag gut. Ob die 25 690 Euro Einstiegspreis für die Killertomate plus Performance-Paket leicht zu verdauen sind, entscheiden dann der Geldbeutel und die Leidenschaft. Das Fahrgefühl gibt es so jedenfalls nur einmal. (ampnet/deg)

Daten Fiat 500 Abarth 595 Competizione

Abmessungen (L x B x H): 3,66 x 1,63 x 1,49 Meter
Motor: Reihenvierzylinder mit Turboaufladung, 1368 ccm Hubraum
Kraftübertragung: Vorderradantrieb mit optionaler Differentialsperre, Fünf-Gang-Schaltgetriebe
Leistung: 180 PS (132 kW) bei 5500 U/min
Max. Drehmoment: 250 Nm bei 3000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h: 6,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
Leergewicht: 1145 Kilogramm
Max. Zuladung: 315 Kilogramm
Wendekreis: 9,5 Meter
Tankvolumen: 35 Liter
Testverbrauch: 10,5 Liter
Realverbrauch: 8 Liter
Grundpreis Abarth 595 Competizione: 25 690 Euro
Preis Testwagen: 34 050 Euro

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