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Schafft die EU neue Fahrradklassen?

Sind Pedelecs bald keine Fahrräder mehr? Diese Frage beschäftigt derzeit die Fahrradbranche, denn die Europäische Kommission denkt wegen der E-Bikes über eine Neuordnung der Fahrzeugkategorien nach. Bisher haben die elektrifizierten Fahrräder eine Sondergenehmigung, weshalb sie rechtlich als Fahrräder und nicht als Kleinkraftrad oder Light Electric Vehicle (LEV) gelten. Das dürfte zum großen Teil auch so bleiben, berichtet der Pressedienst Fahrrad. Brüssel hat vor allem das Lastenrad und die schnelleren S-Pedelecs im Blick.

„Lastenräder sprengen die aktuellen Standardisierungsfragen. Es gibt beispielsweise noch keine Regulierung für das Gesamtgewicht oder die Länge von Lastenrädern“, sagt Arne Behrensen, Geschäftsführer der Internetplattform Cargobike. Sie werden als ein Pfeiler der Verkehrswende betrachtet, aber es gibt aktuell kaum Rahmenbedingungen.
Unter dem Begriff Lastenrad werden momentan viele Produkte zusammengefasst, die kaum einen Bezug zueinander haben. Die Terminologie ist laut Ansicht von Experten irreführend, denn es gehe neben dem privaten wie gewerblichen Lastentransport zum Beispiel auch um die Beförderung von Kindern und Personen. Hier sind, beispielsweise für den Transport von Kleinkindern, aber keine gesetzlichen Standards gesetzt.

So gibt es derzeit zumindest den Vorschlag in Zukunft zwei unterschiedliche Gewichtsklassen einzuführen. Eine soll bis maximal 300 Kilogramm und eine bis 550 oder 600 Kilogramm Gesamtgewicht gelten. Da ein derart schweres Lastenrad kaum mit einem 250-Watt-Motor angetrieben werden kann, sind auch hier Änderungen bei der Typisierung einzuplanen.

Viele der Fragen, die sich beim Lastenrad stellen, lassen sich auf die 45 km/h schnellen S‑Pedelecs übertragen. Die schnellen Elektroräder gelten bisher als Kleinkraftrad und dürfen deshalb in Deutschland zum Beispiel nicht auf Radwegen gefahren werden und brauchen ein Versicherungskennzeichen. In Bezug auf die Verkehrswende wird den Fahrzeugen jedoch eine wichtige Rolle und große Zukunft prognostiziert. Die aktuellen Regelungen behindern jedoch die Weiterverbreitung der Fahrzeuge in vielen Teilen Europas, so die Meinung von Branchenexperte. Markus Riese vom E-Bike-Hersteller Rise & Müller bezeichnet die Regelungen sogar als „praxisfremd“. Ausnahmen sind Belgien und die Schweiz, wo eine Radwegenutzung erlaubt ist – und deshalb die Verkaufszahlen deutlich höher seien als in Deutschland. In der EU-Kommission gebe es daher bereits Überlegungen, die Nutzung zu erleichtern. Dabei sei das Problem weniger die Einstufung als Kleinkraftrad, sondern die Straßenverkehrsordnung, meint Markus Riese. Er plädiert für eine Entscheidungsfreiheit auf kommunaler Ebene und verweist auf das Beispiel Tübingen. Die Stadt habe aufgrund einer Sonderregelung in Baden-Württemberg Teile des Radwegenetzes für S‑Pedelecs freigegeben.

Grundsätzlich sollte nicht nur zukunfts-, sondern auch praxisorientiert gedacht und geplant werden, so die Forderung der Fahrradbranche. Breite Mountainbike-Lenker oder die Fahrzeugbreiten von Lastenrädern müssten ebenso bei der Planung und Konzeption von Radwegen berücksichtigt werden, wie Fahrzeuge für Menschen mit Handicap, die oft dreirädrig sind. „Solche Fahrzeuge können bei Regelmentierungen schnell einmal durchrutschen, weil sie nicht im Fokus stehen. Deshalb gilt es, den Blick zu erweitern, dass jede Anwendung berücksichtigt wird“, appelliert Alexander Kraft, Pressesprecher beim Liegeradanbieter HP Velotechnik.

Auf EU-Ebene werden in den nächsten Monaten immer wieder Untersuchungen durchgeführt, die Auswirkungen und Änderungen mit sich bringen könnten. Tim Salatzki, Leiter Technik und Normung beim Zweirad-Industrie-Verband warnt jedoch davor, dass auch die Gefahr von Neuregelungen besteht, die Rückschritte bedeuten würden. Darauf müsse sich die Branche vorbereiten und gegensteuern, damit Elektrofahrräder ein Baustein der Verkehrswende bleiben.

Insider gehen davon aus, dass mit neuen Regularien in etwa drei Jahren zu rechnen sein könnte. (aum)

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Das Fahrrad ist zum vielfältigen Transportmittel im urbanen Raum geworden.

Das Fahrrad ist zum vielfältigen Transportmittel im urbanen Raum geworden.

Foto: Autoren-Union Mobilität/pd-f/Luka Gorjup/Lux Fotowerk

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Die Formen des Fahrrads, hier ein S-Pedelec-Liegerad, sind vielfältiger geworden.

Die Formen des Fahrrads, hier ein S-Pedelec-Liegerad, sind vielfältiger geworden.

Foto: Autoren-Union Mobilität/pd-f/HP Velotechnik

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E-Bikes werden als Teil der Verkehrswende gesehen.

E-Bikes werden als Teil der Verkehrswende gesehen.

Foto: Autoren-Union Mobilität/pd-f/Luka Gorjup/Lux Fotowerk

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S-Pedelcs benötigen ein Versicherungskennzeichen und werden wie Kleinkrafträder behandelt.

S-Pedelcs benötigen ein Versicherungskennzeichen und werden wie Kleinkrafträder behandelt.

Foto: Autoren-Union Mobilität/pd-f/Haibike

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