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Wissmann beklagt „schweren Rucksack“ des Mittelstands

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), forderte die Politik beim 15. Mittelstandstag des VDA in Gravenbruch bei Frankfurt auf, alles zu tun, um die Stärke der inländischen Standorte auch künftig zu sichern. Die Arbeitskosten am Automobilstandort Deutschland seien im vergangenen Jahr erneut schneller gestiegen als bei manchen Nachbarn, der Abstand zu anderen europäischen Standorten habe sich vergrößert, erklärte Wissmann.

Der VDA-Präsident verwies darauf, dass die Produktionskapazitäten im Nafta-Raum und in China mit hoher Geschwindigkeit wachsen und die globale Nachfrage zunehmend lokal bedient wird. „Diesem Trend müssen sich auch mittelständische Zulieferer stellen. Die vergangenen Jahre zeigen: Globale Präsenz und starker Heimatstandort sind kein Widerspruch, brauchen aber politischen Zuspruch“, sagte Wissmann.

Die Politik dürfe – so Wissmann – nicht länger wertvolle Zeit ungenutzt verstreichen lassen. „Die Vielzahl der ‚sozialpolitischen Wohltaten‘ der Bundesregierung – Rentenpaket, Mindestlohn, geplante Einschränkungen bei Werkverträgen und Zeitarbeit, um nur einige zu nennen – sind insgesamt ein schwerer Rucksack, den die Betriebe schultern müssen.“ Die Herausforderungen der Zukunft – beschleunigter Globalisierungstrend, demografischer Wandel, geringeres Fachkräftepotenzial – könnten so nicht gemeistert werden, sondern verschärft sich eher. Jetzt seien innovative Ansätze, zum Beispiel eine Flexi-Rente, gefragt, unterstrich der VDA-Präsident.

Weiteren Belastungen erteilte Wissmann eine klare Absage. Neue Belastungen drohten familiengeführten Unternehmen aber von der Erbschaftsteuerreform: „Gerade bei diesem Vorhaben müssen Investitions- und Innovationskraft der Unternehmen erhalten bleiben. Oberstes Ziel der Reform muss es sein, den Fortbestand der Unternehmen im Gemeinwohlinteresse zu sichern“, betonte Wissmann.

Zudem sprach sich Wissmann für eine Sonderabschreibung von 50 Prozent der Anschaffungskosten im ersten Jahr für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge aus, um damit Anreize zu schaffen. Beim zweiten großen Innovationsthema, dem vernetzten und automatisierten Fahren, sei die Zulieferindustrie nicht nur mit dabei, sondern in vielen Bereichen „Treiber der Entwicklung“. Die hierfür notwendigen Investitionen stellten für die mittelständischen Unternehmen allerdings eine große Herausforderung dar: „Hier kann die Politik helfen. Eine steuerliche Förderung, die es in wichtigen Wettbewerbsländern ja bereits gibt, gehört wieder auf die Tagesordnung“, sagte Wissmann.

Er wies auf die großen Chancen hin, die das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) besonders für mittelständische Firmen biete: „Gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen ist es von existenzieller Bedeutung, dass ihre Investitionen planbar und vor Diskriminierung und Willkür geschützt sind. Lasst dem industriellen Mittelstand die Schiedsgerichte!“, appellierte Wissmann. „Investitionsschutz ist ein fundamentaler Baustein für die Erfolgsstrategie unserer Industrie, einer Kombination aus Export aus Deutschland mit Vor-Ort-Produktion.“ Allerdings bleibe nicht mehr viel Zeit, um mit TTIP wichtige weltweite Maßstäbe zu setzen, die Verhandlungen sollten daher zügig vorangetrieben werden.

Auf der Veranstaltung, die von Arndt G. Kirchhoff, Geschäftsführender Gesellschafter & CEO der Kirchhoff Holding GmbH & Co. KG sowie VDA-Vizepräsident und Vorsitzender des VDA-Mittelstandskreises, eröffnet wurde, sprachen unter anderem Dr. Rolf Breidenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hella KGaA Hueck & Co. und Mitglied des VDA-Vorstandes, Barb J. Samardzich, Chief Operating Officer, Ford of Europe, Dr. Karl Pall, Director Brand Solutions, Google Europe, sowie Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP. (ampnet/Sm)

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VDA-Präsident Matthias Wissmann.

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Foto: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann

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