Europaabgeordnete drängen Ursula von der Leyen zur schnellen Zulassung von E 20. In einem Schreiben Kommissionspräsidentin weisen sie darauf hin, der neue Sprit könne bis zu zehn Cent je Liter günstiger als E5 angeboten werden und zugleich die Abhängigkeit von Erdölimporten verringern. Ein solcher „Tankrabatt auf EU-Ebene“ führe nicht zu Problemen mit der Motortechnik. Die deutschen Volumenhersteller hätten die technischen Voraussetzungen für ihre aktuellen Modelle geschaffen, so die Abgeordneten. In anderen Märkten hätten höhere Beimischungen von Ethanol längst ihren Weg in den Tank gefunden.
Die angespannte Lage auf den internationalen Erdölmärkten sehen die Briefschreiber als wachsenden Druck auf die EU-Kommission, den Weg für den neuen Ottokraftstoff E20 freizumachen, nicht zuletzt, um die Verbraucher von hohen Kraftstoffpreisen zu entlasten. Die EVP-Europaabgeordneten Jens Gieseke, Dr. Peter Liese und Norbert Lins forderten Ursula von der Leyen jetzt erneut auf, noch 2026 einen Gesetzgebungsvorschlag vorzulegen, mit dem Benzin mit bis zu 20 Prozent Ethanol-Beimischung europaweit ermöglicht wird.
Die drei Abgeordneten weisen auf die längst vorhandenen regulatorischen Voraussetzungen für den Alkohol-Sprit hin. Das eigentliche Hindernis sei nicht die Technik, sondern das EU-Recht. Die europäische technische Spezifikation CEN/TS 18227 definiert E 20 mit einem Ethanolgehalt von bis zu 20 Volumenprozent Ethanol und einem Sauerstoffgehalt von bis zu acht Masseprozent Die europäische Kraftstoffqualitätsrichtlinie (Fuel Quality Directive) lässt bei Ottokraftstoff bislang aber höchstens zehn Volumenprozent Ethanol und 3,7 Masseprozent Sauerstoff zu.
Mit der Änderung dieser beiden Zahlen wäre das Problem vom Tisch, Autofahrer könnten an der Tankstelle bis zu zehn Cent sparen, denn mit mindestens 98 Oktan schließt E 20 schon zu den Premium-Spritsorten auf. E20 könnte neben seiner Wirkung aufs Klima (in Deutschland ist der Ethanolanteil von der CO2-Abgabe ausgeschlossen) also einen unmittelbaren wirtschaftlichen Vorteil bieten. Der etwas geringere Energiegehalt von E20 wird aufgrund des höheren Ethanolanteils durch den erhöhten Sauerstoffanteil weitestgehend kompensiert.
Die drei Europaabgeordneten argumentieren, dass E20 die europäische Kraftstoffversorgung auf eine breitere Basis stellen und die Abhängigkeit von internationalen Erdöl-Lieferketten reduzieren könnte. Gleichzeitig könne damit zusätzliche Wertschöpfung in europäischer Landwirtschaft, Bioraffinerien und ländlichen Regionen entrstehen.
Bereits im Juni 2025 hatten Gieseke, Liese und Lins von der EU-Kommission Schritte zur Einführung von E20 verlangt. Im April 2026 erkannte die Kommission nach Darstellung der Abgeordneten die Bedeutung höherer Biokraftstoffbeimischungen für die Dekarbonisierung der bestehenden Fahrzeugflotte an und kündigte eine Prüfung an. Jetzt wollen die drei Politiker einen konkreten Zeitplan sehen.
Die Kommission soll mitteilen, wann sie ihre Prüfung abschließen und in welchem Gesetzgebungsvorhaben sie die erforderliche Änderung der Kraftstoffqualitätsrichtlinie vorlegen will. Durch die aktuelle Energiekrise sehen die Abgeordneten die Argumentation deutlich zugunsten E20 verschoben. Neben der Verringerung der Treibhausgasemissionen gewinne zunehmend der Kraftstoffpreis, die Versorgungssicherheit und die Verringerung der europäischen Abhängigkeit von fossilen Importen an Bedeutung.
Hintergrund zu „Tank oder Teller“
Der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) betont nach Analyse der aktuellen Marktdaten, das im Jahr 2025 rund 2,6 Millionen Tonnen Futtergetreide (nach der Backwarenverordnung nicht für Backwarenherstellung geeignet, Anm. d. Red.) für die deutsche Bioethanolproduktion eingesetzt wurden. Das entsprach etwas mehr als 5,8 Prozent der deutschen Getreideernte. Zudem wird bei der Ethanolherstellung nicht die gesamte Pflanze energetisch genutzt.
Vor allem die Stärke wird zu Ethanol verarbeitet, während Proteine, Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine als Koppelprodukte erhalten bleiben und wieder in den Wirtschaftskreislauf gelangen. Die Zahlen des Verbandes belegen deshalb, dass die Herstellung von Bioethanol gleichzeitig Kraftstoff und Produkte für die Futter- und Lebensmittelwirtschaft hervorbringt und die Debatte nicht auf ein einfaches „Tank oder Teller“ reduziert werden könne. Vielmehr müsse es „Tank und Teller“ heißen. (aum)
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