Logo Auto-Medienportal

EXTRA Praxistest Livewire S2 Alpinista: Alles im Lot

Ausgerechnet Harley-Davidson, bekannt für seine großvolumigen Zweizylinder, brachte 2020 das erste Elektromotorrad eines Großserienherstellers auf den Markt: die Livewire. Aus dem Modell von einst ist mittlerweile eine eigene Submarke geworden, die als Tochtergesellschaft läuft. Neben dem Ur-Modell, das als Livewire One weiter im Programm ist, gibt es die S2 in drei Versionen, die sich in Nuancen in der Fahrwerksgeometrie, der Höchstgeschwindigkeit und der Sitzposition unterscheiden. Die Alpinista ist mit ihrem 17-Zoll-Vorderrad und dem flachen Lenker die kompakteste und agilste Vertreterin der Baureihe.

Design ist bekanntlich Geschmackssache und gestalterisch haben es Elektromotorräder immer noch etwas schwer. Livewire macht aus der Not eine Tugend: Mit ihren vielen Kühlstreben gibt die Batterie der S2 optisch einen in Länge und Höhe überdimensionierten Zylinder. Das ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber sicher nicht die schlechteste Wahl. Ähnlich verfährt beispielsweise auch Royal Enfield bei der gerade vorgestellten kleinen Flying Flea, während Honda hingegen bei seinem ebenfalls gerade erst erschienen E-Erstling WN7 den mächtigen Akkublock unverhohlen zur Schau stellt.

Auch wenn sie nicht ganz die Höchstgeschwindigkeit der S2 Mulholland erreicht, wird die Alpinista intern als die Sportlerin in der Familie geführt. Über die Modellbezeichnung darf gemutmaßt werden. Vielleicht lassen sich innerhalb des Trios mit ihr Spitzkehren in den Bergen am leichtesten meistern. Die Mulholland ist als Performance Cruiser klassifiziert, während die S2 Del Mar den Street Tracker gibt. Schmackes haben sie elektrobedingt alle drei.

Mit einer Batteriekapazität von nominal lediglich 10,5 kWh ist der Radius naturgemäß begrenzt: Bei einem Normdurchschnittsverbrauch von 117 Wattstunden sind es offiziell 122 Kilometer. Das digitale Rundinstrument zeigte uns nach jeder Vollladung etwas über 190 Kilometer an – das ist der Herstellerwert für reine Stadtfahrten.

Mit 197 Kilogramm Gewicht bewegt sich die S2 in erfreulichen Regionen. Da haben die bis zu 86 PS auch im „Range“-Modus keinerlei Mühe, für ordentlich Schub zu sorgen. In dieser Einstellung rekuperiert die Livewire auch spürbar, während die Energierückgewinnung im Regen-Modus nahezu abgeschaltet ist. Einen regelrechten Sturm entfacht der Motor in der Sport-Stufe. Die 41 PS Dauerleistung sind ebenfalls mehr als genug.

Nicht nur der Antrieb begeistert, sondern ebenso das Handling. Die Livewire S2 Alpinista ist agil wie eine 125er. Die Ergonomie mit nahezu aufrechter Sitzposition bei nur leicht angewinkelten Knien sorgt für einen entspannten Umgang. Das Motorrad wirkt leichter als es ist, und lässt sich punktgenau führen. Dazu kommt eine angenehm griffige Vorderradbremse. Der hintere Stopper spricht erfreulich früh an und ist ausreichend kräftig. Mit kaum einem anderen Elektromotorrad hatten wir bislang so viel Freude auf der Straße. Die nötige Sicherheit geben das ABS und die Traktionskontrolle, jeweils kurvenoptimiert. Dazu gesellt sich eine Schleppmomentregelung. Die Showa-Vordergabel ist voll einstellbar.

Die übrige Ausstattung ist mit Bluetooth-Konnektivität, Navigation und Telefonie via App sowie Sprachsteuerung, Tempomat und Reifendruckkontrollsystem ebenfalls zeitgemäß. Zudem lässt sich die Software über Over-the-Air-Updates aktualisieren. Wem die vier Standardfahreinstellungen zu viel des Guten sind, kann sie zwecks schnelleren Wechselns der favorisierten Stufen mit Ausnahme von Road auch stückweise deaktivieren und sich auch noch zwei individuell konfigurierte Fahrmodi hinterlegen.

Die tatsächlich gefahrenen Kilometer und die versprochene Restreichweite korrelieren nicht unbedingt immer harmonisch. So hatten wir beispielsweise in einem Fall nach 20 Kilometern Fahrstrecke bereits 50 Kilometer im Display eingebüßt oder verloren auf 23 Kilometern 20 Prozent Akkukapazität und knapp 60 Kilometer an angezeigter Restreichweite. Nach 45 Kilometern Fahrt waren von den anfänglich gemeldeten 190 Kilometern Aktionsradius noch rund 70 Kilometer übrig. Der Wahrheit zur Ehre: Unterm Strich entspricht der Verbrauch aber im Großen und Ganzen dem WMTC-Wert. Und der Halbkreis am äußeren Rand des Rundinstruments hilft, den Ladezustand stets gut im Blick zu behalten.

Leider lässt auch dieses Elektromotorrad eine Schnellladeoption vermissen. An der Wallbox geht es laut Hersteller in rund 80 Minuten von 20 auf 80 Prozent, die Vollladung dauert knapp zweieinhalb Stunden. Für die Haushaltssteckdose werden 2,3 bzw. 3,9 Stunden genannt. Letzteres deckt sich mit unseren Erfahrungen. Geladen wird die Lithiumionen-Batterie an der 230-Volt-Steckdose mit 2,4 Kilowatt. Leider wurde uns auch hier am Ende erneut Energie für rund 190 Kilometer versprochen. Da sollte Livewire noch einmal ein bisschen nachbessern und nicht stets die maximal mögliche Fahrstrecke anzeigen.

Eines der Totschlagargumente gegen E-Maschinen ist neben der geringen Reichweite der fehlende Sound, der offenbar für die meisten Motorradfahrer zum Biken einfach dazugehört. Während einige Autohersteller bei ihren Sportmodellen daher schon auf künstliche Geräusche setzen, bleibt es bei batteriebetriebenen Zweirädern beim leisen Surren. Dafür geht es in Sachen Beschleunigung nochmals eindrucksvoller zur Sache. Zum Motorradfahren gehört aber auch das unmittelbare Erleben der Elemente und der Natur. Und gerade dieser Aspekt verstärkt sich auf einem Elektromotorrad und verleiht dieser Art von Fortbewegung einen besonderen Reiz. Gerüche, Fahrtwind, die Geräusche der Natur und die Wetterbedingungen werden in der Stille noch einmal intensiver wahrgenommen. Elektrisch ist einfach nur eine etwas andere Art des Motorraderlebnisses, ohne dass Abstriche bei den spezifischen Fahreigenschaften gemacht werden müssen. Das beweist nicht zuletzt die Livewire eindrucksvoll. (aum)

Daten Livewire S2 Alpinista

Antrieb: elektr., Riemen
Max. Leistung: 63 kW / 86 PS
Dauerleistung: 30 kW / 41 PS
Max. Drehmoment: 263 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 158 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: ca. 3 Sek.
Batteriekapazität: 10,5 kWh
WMTC-Reichweite: 122 km
Sitzhöhe: 805 mm
Gewicht: 197 kg
Zuladung: 167 kg
Bereifung: 120/70 ZR17 (v.), 180/55 R17 (h.)
Preis: 13.280 Euro

Mehr zum Thema:

Teile diesen Artikel:

Bilder zum Artikel
Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Alpinista.

Livewire S2 Alpinista.

Photo: Autoren-Union Mobilität