Rund 5700 offiziell ausgewiesene Wohnmobilstellplätze gibt es in Deutschland laut ADAC. Damit können Camper hierzulande auf das dichteste Netz in Europa zugreifen. Bei den Campingplätzen liegt Deutschland ebenfalls vorne, etwa 3200 dieser Einrichtungen zählt das Portal PiNCAMP.
Europaweit listet der ADAC-Stellplatzführer über 26.000 Plätze auf, neben Deutschland liegen Frankreich und Italien weit vorne. Sehr unterschiedlich ist die Aufenthaltsdauer. Während die Camper nach Branchenerhebungen auf einem Wohnmobilstellplatz nur 1,4 Nächte verbringen, verweilen sie auf Campingplätzen im Durchschnitt für rund 4,8 Übernachtungen je Aufenthalt.
Während Zelt- oder Campingplätze eine lange, bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts zurückreichende Tradition haben, sind Stellplätze für Reisemobile erst sehr viel später entstanden. Das erste offizielle Stellplatzkonzept gab es im Südosten der Bundesrepublik: Im Mai 1983 erlaubte der Luftkurort Viechtach im Bayerischen Wald als erste Gemeinde in Deutschland Reisemobilen und ihren Passagieren das Übernachten auf eigens hierfür gekennzeichneten Flächen. In Frankreich folgte kurz darauf die „Bord Ambiance“, in Italien entstanden in den 1990er-Jahren erste Stellplätze für Wohnmobilisten. Sie sind ausschließlich für Reisemobile gedacht, Wohnwagen sind beinahe überall verboten. Viele dieser Plätze sind weder eingezäunt noch bewacht, dafür aber deutlich günstiger und flexibler nutzbar.
Während ein Stellplatz meist mangels einer Rezeption keine Reservierung anbietet, wird der Preis für die Übernachtung an einem Automaten bezahlt. Oder der temporäre Platzwart klopft morgens mit der Kasse und dem Quittungsblock an die Tür. Ein Campingplatz bietet dagegen als klassische Ferienanlage für Camper aller Art eine Vorausbuchung. Größere Plätze locken mit Schwimmbad, Restaurant, Waschsalon und Kinderbetreuung. Wer anreist, meldet sich an der Rezeption an und bekommt eine feste Parzelle zugewiesen. Sanitäre Anlagen sind eine Selbstverständlichkeit und mittlerweile können die Gäste für die Dauer ihres Aufenthalts sogar sogenannte „Familienbäder“ buchen, die dann ausschließlich ihnen zur Verfügung stehen.
Der Caravaning Industrieverband Deutschland (CIVD), der Städte und Gemeinden bei der Errichtung von Stellplätzen unterstützt, unterscheidet drei Arten von Anlagen. Ein Basisplatz ist eine geschotterte oder asphaltierte Fläche, die während der Fahrt in den Urlaub für die Durchreise für eine Nacht ausreicht. Für den Wochenendausflug in eine Stadt genügt ein Standardplatz mit Grundausstattung wie Strom-, Wasserver- und -entsorgung. Wer mehrere Tage einen Wellnessaufenthalt in einer Therme plant, einen Skiurlaub oder längere Ferien am Meer verbringen will, der wird sich auf einem komfortablen Premiumplatz wohlfühlen, der zusätzlich sanitäre Anlagen und in vielen Fällen sogar eine persönliche Betreuung der Gäste durch einen Betreiber bietet.
Bei der Bezahlung werden die Unterschiede besonders deutlich. Eine Nacht auf dem Stellplatz kostet oft nur zehn bis 15 Euro, manche kommunalen Plätze sind sogar kostenlos. Auf dem Campingplatz zahlen Reisende in der Hauptsaison schnell 40 bis 60 Euro pro Nacht, mit Strom auch mehr. Dafür bekommen sie allerdings oft ein ganzes Freizeitangebot mitgeliefert. Die Unterschiede verschwimmen allerdings.
In Südtirol beispielsweise zahlen zwei Erwachsene im Reisemobil beim Badlerhof in Laas (Vinschgau), direkt an der murmelnden Etsch gelegen, 46 Euro. Der Campingplatz Sägemühle an der SS 35, der Stilfserjochstraße in Prad, verlangt sogar 60 Euro pro Nacht, darin ist dann immerhin die Nutzung des großzügigen Spa-Bereichs inbegriffen. Wer hingegen den Alpenhauptkamm überquert, um ins Trentino zu fahren, erlebt trotz nahezu identischer Bergkulissen und Panoramaansichten einen Preissturz. Der Campingplatz Val di Sole, in einem Seitental des gleichnamigen Bergeinschnitts im Örtchen Peio gelegen, kostet für eine Nacht ganze 28 Euro. Der Espresso in der angeschlossenen Bar ist um einen Euro billiger als im Alto Adige, die Preislisten der Restaurants lesen sich ebenfalls weitaus entspannter als in der Heimat von Reinhold Messner und Louis Trenker.
Der Preisunterschied zwischen Stell- und Campingplätzen hat in den vergangenen Jahren zu einem Interessenkonflikt geführt. Stellplätze wurden als Rückzugsort für Camper gesehen, die Ruhe und eine unkomplizierte Übernachtungsmöglichkeit suchen. Klassische Ansprüche der zunehmenden Zahl von Rentnern. Mittlerweile haben jedoch immer mehr junge Familien die günstigen Plätze für sich entdeckt. Auf der einen Seite stehen ältere Paare, die abends ihre Ruhe wollen, auf der anderen Familien mit spielenden Kindern, Rollern und Fahrrädern.
Wer ohne Campingplatz oder für Wohnmobile explizit ausgewiesene Übernachtungsflächen verreisen will, muss sich an bestimmte Spielregeln halten. Denn grundsätzlich dürfen Reisemobilbesatzungen zumindest in Deutschland in ihrem Fahrzeug auf öffentlichen Straßen nur einmalig zur „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ übernachten, diese Regel gilt für maximal zehn Stunden. Wer dabei aber seine Campingstühle und den Tisch draußen aufbaut, vielleicht sogar die Markise des Mobils ausrollt, erfüllt den Tatbestand des Campens, und das ist außerhalb ausgewiesener Flächen verboten. Je nach Bundesland drohen dann zwischen zehn und 2500 Euro Strafe, wer in Naturschutzgebieten erwischt wird, zahlt noch mehr.
Das Verweilen auf erlaubten Parkflächen ist im Ausland ohnehin alternativlos. Empfehlenswert sind in Frankreich die vielen „Camping Municipal“, die Gemeinde-Campingplätze, die es auch in touristisch herausragenden Orten wie Carcassonne oder Sète gibt, oder die vielen Angebote bei Landwirten und Winzern, wo die Übernachtung nach einer ausführlichen Weinprobe umso sinnreicher wird. In Italien finden sich die günstigen Übernachtungsangebote ebenfalls immer öfter an Gutshöfen, hier sind Wohnmobilisten bei den Agriturismo-Betrieben willkommen. Außerdem gilt: Wer kann, vermeidet die Hauptsaison, in der das Gedränge am größten und die Preise am höchsten sind. (aum)
Mehr zum Thema: Reisemobil , Stellplatz , Campingplatz
Teile diesen Artikel: