Logo Auto-Medienportal

EXTRA Bidirektionales Laden kennt drei Möglichkeiten

Bei Auto-Akkus standen bislang eine möglichst hohe Speicherkapazität und Ladeleistung im Mittelpunkt des Interesses. Logisch, denn so werden die Reichweite lang und die Ladestopps kurz. Doch die Batteriepakete im Unterboden eines Elektrofahrzeugs können noch viel mehr: Etwa dann, wenn sie als flexibler Stromspeicher eingesetzt werden. Bidirektionales Laden heißt die Technologie, die das E-Auto zu einem Baustein der Energiewende und E-Auto-Besitzerinnen und Besitzer zu Gewinnern machen soll.

Bidirektionales Laden bedeutet, dass der Akku des Elektroautos nicht nur Strom aufnehmen kann, um mit der elektrischen Energie den Motor anzutreiben, sondern dass er den Strom auch an direkt angeschlossene Geräte wie einen Elektrogrill, an Herd oder Heizung im eigenen Haus oder auch ins öffentliche Stromnetz abgeben kann. Damit sind bereits die drei Anwendungsfälle skizziert, in die das bidirektionale Laden unterschieden wird.

Am simpelsten ist die sogenannte Vehicle-to-Load-Funktion (V2L), bei der externe Elektrogeräte an eine 230-Volt-Steckdose des Auto angeschlossen und so betrieben werden können; etwa eine Kühlbox beim Camping oder ein E-Bike-Akku nach der Radtour. Diese Funktion bieten bereits zahlreiche Elektrofahrzeuge an, darunter etliche Modelle von Hyundai und Kia, von MG Motor und BYD sowie zunehmend auch von VW, Ford und BMW.

Bei der anspruchsvolleren Vehicle-to-Home-Funktion (V2H) wird das Auto als Energiespeicher über eine Wallbox mit dem Hausnetz verbunden. So kann die Autobatterie beispielsweise Strom aus der Photovoltaikanlage vom Dach zwischenspeichern, oder aber Strom aus dem Netz, wenn er gerade günstig angeboten wird – und später bei Bedarf wieder ins Hausnetz zurückspeisen.

Für die V2H-Funktion muss nicht nur das Fahrzeug die entsprechende Technik bieten, sondern auch die Wallbox muss das bidirektionale Laden beherrschen. Und: Das Hausnetz muss mit einem „intelligenten Energiemanagementsystem“ ausgestattet sein, unter anderem deshalb, damit im Auto-Akku dann, wenn der Wagen gebraucht wird, die gewünschte Menge an Energie vorhanden ist. Aus dem Volkswagen-Konzern sind die Modelle mit 77-kWh-Batterie von VW, Skoda, Cupra und Audi ab der Software-Version 3.5 dazu in der Lage, außerdem etwa der Renault 5 E-Tech, einige Volvo- und Polestar-Modelle sowie die Mercedes-Typen EQE und EQS.

Die Highend-Funktion des bidirektionalen Ladens, die dritte Variante dieser Technologie, nennt sich Vehicle-to-Grid (V2G). Dabei kann der Strom aus dem Auto-Akku auch ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden – und dafür gibt es Geld. Allerdings erst in Zukunft, denn noch gibt es kein gültiges Regelwerk dafür. Geklärt werden müssen noch Fragen wie: Welche steuerliche Regel soll greifen, wenn das E-Auto steuerbegünstigt beim Arbeitgeber aufgeladen wird und der Strom anschließend gegen Gebühr ins Netz eingespeist wird?

Schon dieses Beispiel zeigt die Komplexität dieser Art von bidirektionalem Laden. Und es verdeutlicht, dass es noch längere Zeit dauern wird, ehe all diese Details geregelt sind. Immerhin: Schritt für Schritt werden die Voraussetzungen geschaffen. So gibt es inzwischen eine technische Norm (ISO 15118-20), die den Datenaustausch zwischen E-Auto und Wallbox regelt – eine Grundvoraussetzung, damit der Energiefluss zwischen Auto und Stromnetz in beiden Richtungen wie gewünscht funktioniert.

Immerhin gibt für Privatkunden, die an der Vehicle-to-Home-Funktion interessiert sind, erste Komplettlösungen. Etwa die BMW Wallbox Professional, die in Kombination mit dem BMW iX3 (und demnächst mit dem i3) bidirektionales Laden möglich macht Der Hersteller sagt, im Idealfall ließen sich mit diesem Paket „bis zu 720 Euro“ pro Jahr erzielen. Mit der identischen Summe als möglichem jährlichen Bonus wirbt auch Elli, der Energie- und Ladeanbieter des Volkswagen-Konzern. Allerdings wird dieses Angebot erst Ende des Jahres bestellbar sein.

Bidirektionales Landen, oft auch BiDi genannt, könnte nach Ansicht von Experten ein zentraler Baustein der Elektromobilität und, wegen der immensen, dezentralen Speicherkapazität von hunderttausenden E-Auto-Akkus, ein wesentliches Element der Energiewende werden. Was allerdings auch gilt: Bis es soweit ist, dürfte es noch dauern. Immerhin nimmt die „BiDi“-Idee allmählich konkretere Formen an. (aum)

Mehr zum Thema:

Teile diesen Artikel:

Bilder zum Artikel
Bidirektionales Laden macht das Auto zur Stromquelle.

Bidirektionales Laden macht das Auto zur Stromquelle.

Photo: Hyundai via Autoren-Union Mobilität


Bidirektionales Laden macht das Auto zur Stromquelle.

Bidirektionales Laden macht das Auto zur Stromquelle.

Photo: Hyundai via Autoren-Union Mobilität


Eon und BMW machen Käufern eines iX3 ein Angebot für bidirektionales Laden.

Eon und BMW machen Käufern eines iX3 ein Angebot für bidirektionales Laden.

Photo: BMW via Autoren-Union Mobilität