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EXTRA Praxistest Triumph Trident 800: Druckvoller und drehfreudiger Dreier

Trident? Da klingelte es bis vor fünf Jahren allenfalls bei Silveragern. 2021 hat Triumph den alten Modellnamen mit der jüngst gerade erst aufgefrischten 660 dann aber wiederbelebt. In diesem Jahr folgt ihr nun die größere Schwester 800, bei der die Briten den umgekehrten Weg gingen und im vergangenen Jahr erst die Tiger Sport und dann die Trident auf den Markt brachten.

Optisch sind sich die beiden Trident sehr ähnlich, die 800er darf aber einen klassisch verlegten Auspuff tragen, während die 660 ihre Abgase direkt nach dem Unterflur-Sammler ins Freie entlässt. Der Neuzugang streckt seinen Flyscreen zudem keck etwas höher über den Scheinwerfer. Das war es dann zumindest optisch auch schon weitgehend. Auch bei den Dimensionen ist der Unterschied nicht so groß. Die Trident 800 hat tatsächlich nur einen Millimeter mehr Radstand, baut natürlich etwas breiter und höher, aber auch bei der Sitzhöhe beträgt die Differenz lediglich einen halben Zentimeter. In Sachen Tankvolumen herrscht mit 14 Litern ebenfalls Gleichstand. So ist es am Ende tatsächlich weitgehend nur der Motor, der beide entscheidend trennt.

Der neu entwickelte Triple ist bereits aus der Tiger Sport bekannt, leistet auch im Naked Bike ganze Arbeit und löst Begeisterung aus. Es gibt mächtig Druck im Souterrain und heftigen Schub ab der mittleren Etage bis hoch ins Dachgeschoss. Knapp über 2000 Umdrehungen in der Minute läuft der Dreizylinder rund. Das erlaubt Stadttempo selbst im letzten Gang. Ab 4000 Touren steht der Motor gut im Futter, wenig später beginnt das Dreigestirn dann ab etwa 5000 Umdrehungen ein Feuerwerk abzubrennen und scheint bei rund 7000 noch eine weitere Stufe zu zünden, wenn es nur noch wenige Schritte bis zum maximalen Drehmoment sind und zwei Drittel des Weges bis zur Spitzenleistung zurückgelegt wurden. Der aus dem Zubehörangebot stammende Akrapovic-Auspuff begleitet die Fahrt mit einem angenehm farzigen Sound, hält sich in Sachen Lärm aber dezent zurück.

Die Übersetzung ist kurz, die Schaltung knackig, der Blipper serienmäßig, die Drehzahlfreude hoch und der Gasgriff reaktionsfreudig. Auf Lenkimpulse reagiert die Triumph ebenfalls unmittelbar und sehr direkt. Der Sport-Modus macht dabei seinem Namen Ehre, ohne es zu übertreiben. Die Triumph bleibt stets berechenbar und ist selbst in der Regen-Stufe kein Kind von Traurigkeit. Zudem lassen sich in allen drei Fahreinstellungen ABS und Traktionskontrolle noch umswitchen sowie ein individueller Shiftindikator einstellen. Das Showa-Fahrwerk ist straff, aber vorne voll einstellbar, hinten können Vorspannung und Zugstufe angepasst werden. Auch Kurzbeinige finden einen guten Knieschluss und sicheren Stand. Die Spiegel bieten hervorragende Sicht, sodass nur ganz selten der Schulterblick bemüht werden muss. Der vordere „Ein-Finger“-Stopper packt kraftvoll zu und bringt die Roadster punktgenau zum Stehen, während es hinten triumphtypisch manchmal etwas Nachdruck bedarf, bis die Zangen im gewünschten Maß zubeißen.

Auch wenn die Trident natürlich bei Weitem nicht so reisefreudig ist wie die Tiger Sport 800, lässt sich mit ihr durchaus Strecke machen. Dazu tragen der Tempomat, die Ergonomie und nicht zuletzt auch das gute Sitzpolster bei. Das Flyscreen vollbringt natürlich keine Wunder, hält aber doch erstaunlich viel Fahrtwind fern. Bei Autobahnrichtgeschwindigkeit liegt mit rund 5700 U/min gerade einmal die Hälfte des verfügbaren Drehzahlbandes an, und es geht unaufgeregt voran. Das 14-Liter-Fass ermöglicht Reichweiten zwischen 240 und knapp 300 Kilometern. Bei einem angegebenen Normverbrauch von 4,7 Litern kamen wir je nach Einsatz auf Werte zwischen 4,6 und 5,1 Litern (bei 102,2 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Autobahn).

Nach wie vor wird der eingelegte Fahr-Modus leider nicht dauerhaft im bluetoothfähigen TFT-Farbdisplay angezeigt. Zudem sind bei ungünstigem Sonnenstand die Blinker-Kontrollleuchten hin und wieder für einen kurzen Augenblick nicht zu erkennen. Und warum nur der Brems-, aber nicht der Kupplungshebel einstellbar ist, erschließt sich nicht ganz, zumal Triumph der Trident 800 ja beispielsweise den Schaltassistenten ab Werk spendiert. Vielleicht musste am Ende dann doch mit allzu spitzer Feder gerechnet werden, um den Preis unter der 10.000er-Marke zu halten.

Letztendlich bleibt es am Ende weitgehend eine Frage der gewünschten Leistung und des Budgets, ob die kleinere oder die größere Trident beim Kauf den persönlichen Zuschlag bekommt. Zudem ist die 800 nicht A2-tauglich. Mit beiden Maschinen bekommen Motorradfahrer aber auf jeden Fall eine Menge Triple-Fahrspaß. (aum)

Daten Triumph Trident 800

Antrieb: R3, 798 ccm, flüssigkeitsgekühlt, Kette, 6 Gänge
Leistung: 85 kW / 115 PS bei 10.750 U/min
Max. Drehmoment: 84 Nm bei 8500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 219 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: ca. 4 Sek.
Tankinhalt: 14 Liter
Sitzhöhe: 810 mm
Gewicht: 198 kg (fahrfertig)
Normverbrauch: 4,7 l/100 km
CO2-Emissionen: 109 g/km
Testverbrauch: 4,6–5,1 l
Bereifung: 120/70 R 17 (v.), 180/55 R 17 (h.)
Basispreis: 9695 Euro (zzgl. NK)

Weiterführende Links: Triumph-Presseseite

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