Fiat kann mit dem ersten Halbjahr sehr zufrieden sein. Auf der Mondial de l’Automobile in Paris wird die italienische Marke mit den beiden Modellen Grizzly und Grizzly Fastback zudem die Rückkehr ins C-Segment feiern. Über die Zukunft von Fiat in Deutschland sprach Walther Wuttke von der Autoren-Union Mobilität mit Luigi Saia. Der 46-Jährige leitet seit Mai die Marken Fiat, Abarth und Fiat Professional in Deutschland.
Herr Saia, wie geht es Fiat in Deutschland?
„Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in den vergangenen Jahren unser Modellportfolio deutlich ausgebaut haben. Das zahlt sich jetzt aus. Aktuell ist Fiat in Deutschland vom Topolino über den Pandina, unserer Produktikone 500 bis zum Grande Panda sehr gut aufgestellt, und demnächst werden wir mit den beiden neuen Modellen Grizzly und Grizzly Fastback ins C-Segment zurückkehren. Im kommenden Jahr werden wir dadurch unsere Marktabdeckung von 30 auf 60 Prozent verdoppeln. Außerdem bieten wir in unseren Produkten alle Antriebsformen an – vom klassischen Verbrennungsmotor bis zum Elektroantrieb.“
Und wie übersetzt sich diese Entwicklung in Zahlen?
„Unser Marktanteil hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt und liegt aktuell bei 2,4 Prozent. Dabei ist vor allem die Pkw-Abteilung die treibende Kraft. Wir setzen natürlich unverändert auf unsere drei Säulen, Pkw, Reisemobile, wo wir besonders stark sind und dies auch bleiben wollen, und die leichten Nutzfahrzeuge.“
Was versprechen Sie sich von den beiden Grizzlys, die im kommenden Jahr auf den Markt rollen werden?
„Unser Ziel ist langfristig, drei Prozent Marktanteil zu erreichen. Und dabei wird die Rückkehr ins C-Segment helfen. Das wären dann rund 100.000 Zulassungen in Deutschland, die wir schon einmal vor vielen Jahren erreicht hatten. Die beiden Modelle nutzen die Smart-Car-Plattform. Den Antrieb wird dabei der bewährt 1,2-Liter-Dreizylinder übernehmen, der als Mildhybrid 145 PS leistet.“
Mit dem Grizzly-Pärchen steigt Fiat wieder ins C-Segment auf. Gibt es Pläne weiter aufzusteigen?
„Aktuell gibt es da keine entsprechenden Pläne. Wir haben neben den klassischen Fahrzeugen noch den Qubo als Fünf- und Siebensitzer und den Ulysse im Programm, der durch das Fiat-Professional-Vertriebsnetz verkauft wird. Wir sind die Marke, die für Mobilität für alle steht, und wir sind sehr gut beraten, wenn wir bis zum C-Segment gehen. Dort sind die Volumenmodelle.“
Die Ikone in der Fiat-Modellpalette und eine der wirtschaftlichen Stützen ist unumstritten der 500.
Gibt es Pläne für einen Nachfolger?
„Wir sind gut beraten, den Fiat 500 nicht aussterben zu lassen. Allerdings passt der aktuelle 500er bestens in die Zeit. Der Kleine verkauft sich bei uns hervorragend, und mit der neuen Hybridversion steigen die Zahlen weiter. Aktuell ist der 500 der meistverkaufte Kleinwagen in Deutschland. Ich hoffe einfach, dass Fiat für immer und ewig am 500 festhält. Ein Nachfolger ist aber noch nicht in Sicht.“
Wie elektrisch wird Fiat in fünf Jahren sein?
„Bei uns ist schon heute jedes Modell in einer elektrifizierten Variante lieferbar. Im Pkw-Bereich liegen die elektrischen Modelle in Deutschland bei einem Anteil von etwas weniger als 50 Prozent, und daran werden wir weiter festhalten. Allerdings müssen wir in Europa maßgeschneiderte Angebote für die verschiedenen Märkte machen. In Südeuropa zum Beispiel spielt die Elektromobilität mangels entsprechender Infrastruktur noch eine sehr kleine Rolle. Wichtig ist aber: Elektro ist da, und Elektro wird bleiben.“
Wie wird sich der Bereich Mikromobilität weiterentwickeln?
„Fiat wird in Zukunft in diesem Segment nicht allein mit dem Topolino vertreten sein. In Paris wird eine Konzeptstudie stehen, die den weiteren Weg von Fiat in diesem Segment zeigen wird. Wir sind gekommen, um in dieser Fahrzeugklasse zu bleiben. Wir sehen ja, wie beliebt der Topolino in Deutschland geworden ist. Das ist unsere Strategie, und deshalb werden wir unser Angebot dort in Zukunft weiter ausbauen.“
Wie sehen Sie die chinesische Konkurrenz?
„Die Mitbewerber sind da, aber der Kuchen in Deutschland bleibt unverändert groß bei rund drei Millionen Zulassungen im Jahr. Ich glaube, dass Fiat nicht allzu viele Berührungspunkte mit den chinesischen Anbietern hat, trotzdem müssen wir uns deutlich abgrenzen, und das geht vor allem über unsere Italianita. Wir sind italienisch, verkörpern den italienischen Lebensstil, da kommen uns die chinesischen Anbieter nicht in die Quere. Im Bereich der Nutzfahrzeuge sind wir den Chinesen mit unserem starken Händler- und Servicenetz bei Fiat Professional in Deutschland noch weit überlegen, und wir arbeiten daran, dass dies so bleibt.“ (aum)
Mehr zum Thema: Interview , Fiat , Luigi Saia
Teile diesen Artikel: