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EXTRA Praxistest Fiat 500 Hybrid: Goldiger Gleichmacher

Gefühlt war er schon immer da. Dabei hat der Fiat 500 nicht mal 20 Jahre auf dem Buckel. 2007, exakt 50 Jahre nach der Premiere des Ur-Cinquecento, erwachte die italienische Kultkugel zu neuem Leben. Und hat sich seitdem zur Erfolgsstory entwickelt, die mit zahlreichen Sondermodellen und Abarth-Adaptionen beständig neue Kapitel erhielt. Als 500e sollte der europäische Retro-Liebling 2020 die Geschichte im Elektrozeitalter fortsetzen, der Verbrenner wurde eingestellt. Doch dann kam die Rolle rückwärts. Seit Anfang des Jahres gibt es auch wieder eine Hybrid-Variante.

Der Schritt zurück zum Benziner wirkt zunächst wie eine ziemlich gewagte Operation. Fiat nimmt dem elektrischen 500 seinen Akku samt E-Motor, verpflanzt den 1,0-Liter-Dreizylinder aus dem Pandina und ergänzt ihn um ein Sechsganggetriebe sowie einer kleinen 48-Volt-Mildhybridisierung. So entstand ein 3,63 Meter kurzer und 1,68 Meter schmaler Stadtflitzer mit 65 PS und 92 Newtonmetern. Klingt zunächst konsequent, wäre da nicht der Anspruch, im Jahr 2026 noch mit einem Kleinstwagen dieser Bauart gegen moderne Stromer und effizientere Verbrenner antreten zu wollen.

Beim ersten Kontakt macht der 500er allerdings sofort wieder das, was er seit 2007 meisterhaft beherrscht: Er sammelt Sympathiepunkte. Besonders in dem gefahrenen „Torino"-Editionsmodell, in „Sun of Italy“ für 700 Euro goldig-gelb lackiert, wirkt der aktuelle Cinquecento wie eine rollende Portion Sommer. Die Optik bleibt nahezu unverändert gegenüber dem 500e, lediglich die Front benötigt für den Verbrenner einen geöffneten Kühlergrill. Die etwas markanter gezeichnete Front lässt den Italiener beinahe kräftiger erscheinen, als er tatsächlich ist. Dazu kommen integrierte Türgriffmulden statt klassischer Bügel. Ansonsten bleibt der Retro-Auftritt unangetastet – und genau das dürfte für viele Käufer wichtiger sein als jede Diskussion über Leistungsdaten.

Im Innenraum setzt sich die charmante Inszenierung fort. Die lackierte Armaturenblende suggeriert Blech im Stil des historischen Vorbilds, tatsächlich handelt es sich um dünnes Hartplastik. Kleine Turin-Silhouetten und historische 500-Motive verstecken sich an verschiedenen Stellen und zeigen, wie konsequent Fiat mit Emotionen arbeitet. Bei genauerem Hinsehen knirscht die Rechnung allerdings. Die Hutablagenaufnahme wirkt fragil und die elektrischen Türöffner sind wenig liebevoll integriert.

Auch die Sitzposition verlangt Anpassung. Sie fällt relativ hoch und wenig variabel aus. Größere Fahrer geraten deshalb bei der Sonnenblende schnell in einen Zielkonflikt zwischen Kopffreiheit und Sichtfeld. Hinten wird es noch knapper. Erwachsene sollten die beiden Plätze eher als Notlösung betrachten. Für Kleinkinder oder einen Schoßhund reicht das Arrangement, für ausgewachsene Passagiere wird der Einstieg zur gymnastischen Übung. Beim Gepäck bleibt ebenfalls wenig Luft: 183 bis 440 Liter sind angesichts der Außenmaße keine Katastrophe, aber auch kein Raumwunder. Die Rückbank lässt sich zudem nicht geteilt umlegen.

Bedienerfreundlicher zeigt sich das Infotainment ab der Ausstattung Icon. Das 10,25-Zoll-System reagiert zwar nicht überragend schnell, besitzt jedoch frei konfigurierbare Shortcuts. Besonders praktisch ist der direkte Menüpunkt zum Abschalten des akustischen Geschwindigkeitswarners. Der nervt im Alltag nämlich nicht selten mit Fehlalarmen. In der Basis muss dagegen eine Handyhalterung genügen. Angesichts eines Einstiegspreises von 19.990 Euro wirkt das nicht gerade großzügig.

Noch stärker polarisiert die Bedienung dort, wo sie unmittelbar mit dem Antrieb zusammenhängt. Sechs Gänge sind für einen 65-PS-Kleinstwagen zunächst eine überraschend hohe Zahl. Im alltäglichen Betrieb braucht man den sechsten jedenfalls kaum. Die unteren Übersetzungen sind kurz genug, um innerorts ordentlich loszukommen. Der erste Gang ist schnell abgehakt, der zweite bringt den 500 zügig durch den Stadtverkehr. Danach wird die Angelegenheit zunehmend zäher. Ab dem vierten Gang fehlt dem Dreizylinder schlicht die Kraft, um größere Geschwindigkeitsreserven aufzubauen.

Dabei lässt sich die Schaltung grundsätzlich angenehm bedienen. Der runde Knauf sitzt gut zur Hand, die Wege fallen nicht übermäßig lang aus und die Kupplung verlangt wenig Kraft. Gerade im dichten Stadtverkehr funktioniert das Zusammenspiel sogar überraschend fluffig. Der Motor dreht willig hoch und entwickelt dabei einen durchaus sympathischen Dreizylinder-Klang. Wer den kleinen Sauger fordert, bekommt akustisch deutlich mehr Drama als bei einem Elektroantrieb. Nur Vortrieb entsteht daraus leider nicht im gleichen Maß.

Bis Tempo 100 vergehen 16,2 Sekunden. Das ist nicht langsam im Sinne eines unbrauchbaren Autos, aber deutlich spürbar. Überholmanöver wollen geplant sein, Auffahrten auf Schnellstraßen benötigen Geduld. Auf der Autobahn verlangt der Fiat deshalb häufig nach dem vierten Gang. Wer bei 120 km/h noch einmal beschleunigen möchte, kommt um einen beherzten Griff zum Schalthebel kaum herum. Der lange sechste Gang taugt eher zum Halten des Tempos als zum Beschleunigen.

Die Mildhybridisierung bleibt dabei weitgehend Statist. Ein riemengetriebener Startergenerator mit drei Kilowatt unterstützt den Verbrenner, gespeist von einer kleinen Lithium-Ionen-Batterie unter dem Fahrersitz. Einen elektrischen Punch liefert das System nicht. Deutlich stärker fällt dagegen die Rekuperation auf: Wer das Fahrpedal lupft, spürt eine kräftige Verzögerung. Nach kurzer Eingewöhnung lässt sich dieser Effekt durchaus nutzen, zunächst wirkt er allerdings ungewohnt.

Beim Fahrwerk zeigt der 500 Hybrid zwei Gesichter. In der Stadt kommt er mit seiner kurzen Karosserie und dem kleinen Wendekreis problemlos durch enge Gassen. Schlaglöcher und kleinere Unebenheiten werden dabei nicht komplett herausgefiltert, bleiben aber im erträglichen Rahmen. Mit zunehmendem Tempo verändert sich das Bild. Harte Stöße erreichen die Passagiere deutlicher, auf schlechten Fahrbahnen wirkt die Karosserie nicht immer satt auf der Straße. In Kurven fehlt es ein wenig an Präzision, während die Lenkung mitunter etwas schwergängig wirkt.

Gerade im Vergleich zum schweren 500e fällt der Unterschied auf. Rund 200 Kilogramm weniger Masse verändern das Fahrzeug spürbar. Der elektrische Bruder vermittelte ein erwachseneres, souveräneres Gefühl, während der Hybrid leichter, aber dadurch nicht automatisch agiler wirkt. Wendigkeit besitzt der Cinquecento weiterhin, doch die Kombination aus kurzem Radstand, straffer Abstimmung und mäßiger Rückmeldung erzeugt nicht unbedingt Fahrspaß. Der kleine Italiener lässt sich flott durch die Stadt dirigieren, auf der Landstraße wird aus dem munteren Stadtfloh aber eher ein Arbeiter.

Beim Verbrauch schlägt sich der 500 Hybrid besser als manche Fahreindrücke vermuten lassen. Nach zwei Wochen Testbetrieb aus Stadtverkehr, Überlandpassagen und Autobahn standen im Durchschnitt 6,2 Liter auf der Uhr, also beinahe exakt einen Liter mehr als Fiats offizielle 5,3 Liter. Bei höherem Autobahntempo klettert der Wert allerdings auch schnell über die Sieben-Liter-Marke. Angesichts der geringen Leistung und der Fahrzeuggröße ist das kein Ruhmesblatt.

Dennoch verlangt Fiat weiterhin einen kräftigen Markenaufschlag. Der 500 Hybrid startet bei 19.990 Euro, für die empfehlenswertere Icon-Ausstattung mit Infotainment und 10,25-Zoll-Display werden 21.990 Euro fällig. Die getestete Konfiguration mit Komfortpaket und gelber Lackierung landet bei rund 23.500 Euro. Für ein kleines Auto ist das viel Geld, zumal Konkurrenten wie der Kia Picanto oder effizientere Kleinwagen wie Toyota Aygo, Renault Twingo oder Suzuki Swift ebenfalls attraktive Alternativen bieten.

Und dennoch passiert beim Fiat 500 etwas, das sich kaum in Tabellen ausdrücken lässt. Er wird gesehen. Er wirkt sympathisch. Er passt vor die italienische Bar ebenso wie auf den Parkplatz eines deutschen Supermarkts. Der kleine Italiener ist der große Gleichmacher, in dem der Kassierer oder die Zweitwagen-Mama genauso selbstverständlich fahren können wie der freischaffende Künstler oder die Zahnärztin. Während andere Kleinwagen mit Nutzwert, Effizienz oder Technik argumentieren, reicht dazu beim Cinquecento häufig ein kurzer Blick auf die knuffige Karosserie.

Der Rest ist dann eine Frage der Prioritäten: Wer vor allem kurze Wege fährt, mit wenig Platz auskommt und Freude an klassischem Schalten hat, bekommt einen unkomplizierten Stadtbegleiter mit Charme und Charakter. Wer dagegen Präzision, Sparsamkeit, Raumangebot oder moderne Antriebstechnik sucht, findet inzwischen zahlreiche überzeugendere Lösungen. Der Fiat 500 Hybrid trägt seinen größten Trumpf nicht unter der Motorhaube, sondern in seiner Erscheinung und dem suggerierten Italo-Feeling. (aum)

Daten Fiat 500 Hybrid Torino

Länge x Breite x Höhe (m): 3,63 x 1,68 x 1,53
Radstand (m): 2,32
Antrieb: R3-Benziner, 998 ccm, FWD, 6-Gang-Getriebe
Systemleistung: 65 PS /48 kW
Max. Drehmoment: 92 Nm bei 1750 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 16,2 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,3 Liter
CO2-Emissionen: 119 g/km
Leergewicht / Zuladung: min. 1064 kg / max. 400 kg
Kofferraumvolumen: 183–440 Liter
Basispreis: ab 21.990 Euro
Testwagenpreis: 23.500 Euro

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Fiat 500 Hybrid Torino.

Fiat 500 Hybrid Torino.

Photo: Frank Wald via Autoren-Union Mobilität


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Fiat 500 Hybrid Torino.

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Photo: Frank Wald via Autoren-Union Mobilität