Im Rahmen seines Kindersitztests warnt der ADAC vor mehreren Produkten. Dabei handelt es sich um eine Gruppe baugleicher Sitze, die unter verschiedenen Namen vertrieben werden – sogenannte White-Label-Produkte. Bei den Crashversuchen zeigten diese Sitze derart gravierende Mängel, dass sie bei einem Unfall schwere Verletzungen für das Kind zur Folge haben können.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der ADAC vor dem Sitz „Reecle 360“ gewarnt: Die Sitzschale hatte sich beim Crashtest aus der Unterkonstruktion gelöst und war unkontrolliert durch den Fahrgastraum geschleudert worden. Weiterführende Untersuchungen ergaben, dass es sich hierbei um ein sogenanntes White-Label-Produkt handelt. Auf der Plattform „Alibaba“ kann der Kindersitz mit europäischer Zulassung nach Kundenwunsch individualisiert und anschließend in größerer Stückzahl bestellt werden. Dies haben offenbar einige Händler getan – so findet sich der Sitz beispielsweise unter den Namen „Ding Aiden 360“, „Kidiz 360“, „Kids Zone i-Size 360“, „Buf Boof Tweety Plus“, „Miophy i-Size 360“, „Xomax 946i“ oder „Lettas i-Size 360“ auf verschiedenen Online-Verkaufsportalen. Die Produkte unterscheiden sich optisch und im Labeling, sind technisch jedoch nahezu baugleich.
Der ADAC bestellte diese Sitze im Internet und setzte sie im aktuellen Test erneut im Frontalcrash-Szenario ein. Dabei versagte die Unterkonstruktion, sodass die Sitze beim Aufprall durch den Fahrgastraum geschleudert wurden. Der ADAC warnt daher ausdrücklich vor diesen Produkten, da sie im Falle eines Unfalls keinen ausreichenden Schutz bieten.
Grundsätzlich ist der Vertrieb von White-Label-Produkten ein marktübliches Verfahren. Für Verbraucher ist jedoch nicht erkennbar, dass es sich um unsichere Produkte handelt – ebenso wenig, dass verschiedene Marken auf unterschiedlichen Plattformen technisch identische Produkte anbieten.
Unabhängig davon stellte der ADAC auch beim Sitz „Kinderkraft Mink Pro 2“ erhebliche Mängel fest. Beim Frontalcrash reißt die Babyschale aus der Isofix-Station „Base Mink FX2“ und wird ebenfalls durch den Fahrgastraum geschleudert. Alternativ kann der Sitz vorerst ohne Isofix-Station weiterverwendet werden; dabei sollte jedoch besonders auf den korrekten Gurtverlauf geachtet werden. Ohne die Basisstation bietet der Sitz in den durchgeführten Crashversuchen einen guten Schutz.
Der ADAC informierte alle betroffenen Anbieter im Vorfeld der Veröffentlichung über die Ergebnisse. Der Hersteller Lettas, der die White-Label-Kindersitze in China produziert, teilte mit, bereits seit Januar Verbesserungen an den Sitzen vorgenommen zu haben, die das Sicherheitsproblem betreffen. Kinderkraft kündigte zudem einen kostenlosen Umtausch des Modells „Mink Pro 2 + Base Mink FX2“ an. Kunden können sich hierzu per E-Mail an safety@kinderkraft.com wenden. (aum)
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