Parallel zur überarbeiteten S-Klasse wurde auch die Mercedes-Maybach-Version neu aufgelegt. Die Stuttgarter sprechen dabei von der umfassendsten Aktualisierung in der Geschichte ihres Spitzenmodells. Und tatsächlich reicht das Facelift von der Software-Architektur bis zu den Zierleisten im Fond. Ab morgen ist die exklusive Luxus-Limousine in ersten europäischen Märkten zu bestellen, weitere Regionen sollen folgen.
Die Rolle des Modells ist dabei klar: Die Maybach-Version der S-Klasse soll nicht nur die Spitze der Baureihe markieren, sondern auch zeigen, wie Mercedes-Benz heute Luxus versteht. Weniger über laute Gesten, mehr über Ruhe, Personalisierung und eine Technik, die sich möglichst unaufdringlich in den Alltag ihrer Nutzer einfügt. Dazu passt, dass mit MB.OS erstmals das neue Mercedes-Benz Operating System in einem Maybach eingesetzt wird. Es bringt die vierte MBUX-Generation, Over-the-Air-Updates und einen stärker personalisierten digitalen Auftritt ins Auto.
Optisch setzt die Modellpflege auf eine dezente Verschiebung der Gewichte. Der Kühlergrill wuchs laut Mercedes um rund 20 Prozent, fällt nun auf jeden Fall markanter aus. Unterstützt wird der Eindruck durch weitere illuminierte Details, etwa der beleuchtete stehende Stern oder das Emblem auf der C-Säule. Selbst ein Auto, das traditionell eher vor dem Opernhaus als auf dem Boulevard auftaucht, darf heute etwas mehr Glamour zur Schau tragen.
Auch die Lichtgrafik dient diesem Zweck. Vorn tauchen Roségold-Akzente in den Scheinwerfern auf, hinten wird das Sternmotiv aufgegriffen. In den Seitenschwellern projiziert ein diskreter Projektor beim Ein- und Aussteigen den Maybach-Schriftzug auf den Boden. Kleine Details, die auf jene Kundschaft zielen, die an einem Fahrzeug dieser Klasse nicht nur Fortbewegung, sondern auch Choreografie schätzt.
Im Innenraum bleibt Maybach seiner Kernidee treu. Die Hauptrolle spielt hier der Fond. Die Neugestaltung der Oberflächen soll den bekannten Cocooning-Effekt vertiefen, also jenes Gefühl, eher in einer mobilen Lounge als in einer klassischen Limousine zu sitzen. Offenporige Hölzer, neu abgestimmtes Ambientelicht und eine insgesamt stärker auf Ruhe inszenierte Grafik der Displays bilden den Rahmen dafür. Der serienmäßige MBUX Superscreen bündelt Zentral- und Beifahrerdisplay unter einer Glasfläche, während im Fond zwei 13,1-Zoll-Bildschirme bereitstehen.
Aber auch an das Thema „New Luxury“ haben die Designer gedacht. Erstmals bietet Mercedes-Maybach ein lederfreies Interieur an. Das Konzept namens „Stormy Grey“ kombiniert Artico mit dem Textil „Mirville“, einer Mischung aus Leinen und recyceltem Polyester in Naturfaser-Optik. Damit reagiert die Marke auf eine Kundschaft, für die Exklusivität nicht zwingend an klassisches Leder gebunden ist. Bemerkenswert ist weniger der Materialwechsel selbst als die Tatsache, dass ein Hersteller in diesem Segment ihn nicht als Verzicht, sondern als gleichwertige Interpretation von Komfort und Dauerhaltbarkeit positioniert.
Das klassische Maybach-Versprechen bleibt dennoch unangetastet. Ausgesprochen bequeme Executive-(Liege-)Sitze im Fond, ein Kühlfach, Halterungen für versilberte Champagnerkelche von Robbe & Berking, zwei 33,3 Zentimeter große Displays mit individuell konfigurierbaren Fernbedienungen, integrierte Kameras für Videotelefonie und auf Wunsch automatische Komforttüren zeigen unmissverständlich, dass das Modell seinen Alltag vor allem im chauffierten Betrieb verbringt. Dazu passend öffnen und schließen die Türen optional per Knopfdruck oder über das Display.
Auch die Antriebspalette wurde umfassend modernisiert und elektrifiziert. An der Spitze steht in Europa und weiteren Märkten der Mercedes-Maybach S 680 mit weiterentwickeltem Achtzylinder und Mildhybrid-Technik. Die Leistung liegt bei 612 PS (450 kW) plus 17 kW (23 PS), das maximale Drehmoment bei 850 plus 205 Newtonmetern. In Europa nicht mehr angeboten wird der V12, der in ausgewählten Märkten jedoch auch weiter verfügbar bleibt. Darunter positioniert sich der S 580 mit ebenfalls überarbeitetem V8, der 537 PS (395 kW) und ebenfalls plus 17 kW (23 PS) leistet sowie 750 plus 205 Newtonmeter Drehmoment entwickelt.
Interessanter für Märkte mit strengerer Regulierung dürfte der S 580e sein. Der Plug-in-Hybrid kombiniert einen weiterentwickelten 449 PS (330 KW) starken Reihensechszylinder mit einem 120 kW (163 PS) leistenden Elektromotor zu einer satten Systemleistung von 430 kW (585 PS) und soll rein elektrisch rund 100 Kilometer weit fahren. Für eine Luxuslimousine dieses Formats vor allem deshalb relevant, weil sich viele typische Einsatzprofile – Hotel, Flughafen, Stadtverkehr, Repräsentationsfahrten – lokal emissionsfrei abdecken lassen, ohne das gewohnte Langstreckenformat aufzugeben.
Zum Charakter des Fahrzeugs passt, dass Mercedes die Fahrleistungen selbst nicht aggressiv in den Vordergrund stellt. Wichtiger sind Laufruhe, Geräuschkomfort und Entkopplung von der Außenwelt. Zusätzliche Dämmmaßnahmen, eine verfeinerte Geräusch- und Vibrationsisolierung sowie das Fahrprogramm Maybach sollen das Fahren noch stärker entdramatisieren. Dazu kommt eine neue Airmatic-Luftfederung mit vorausschauender Dämpfung, die mithilfe von Car-to-X-Daten die Fahrbahnoberfläche antizipieren kann. Schlaglöcher, Querfugen und schlechte Oberflächen sollen damit gar nicht erst ins Bewusstsein der Fondpassagiere durchdringen. Für ein Auto dieser Klasse ist das am Ende relevanter als jede halbe Sekunde beim Sprintwert.
Mindestens ebenso wichtig wie Holz, Leder oder deren Alternativen ist inzwischen die digitale Atmosphäre. MB.OS bildet hier das neue Rückgrat. Das System vernetzt Infotainment, Assistenz und Fahrzeugfunktionen auf einer gemeinsamen Architektur und erlaubt regelmäßige Aktualisierungen over the air. Die vierte Generation von MBUX bringt in der S-Klasse und damit nun auch im Maybach einen Virtual Assistant mit, der auf KI-Dienste von Partnern wie Microsoft, Google und ChatGPT 4o zurückgreift. Roségoldene Akzente, spezifische Grafiken und eine auf Repräsentation ausgelegte Benutzeroberfläche sollen verhindern, dass das digitale Erlebnis nach Serien-S-Klasse mit anderem Logo aussieht. Eine der schwierigeren Aufgaben solcher Derivate: Exklusivität muss heute nicht nur im Material, sondern auch in Interface und Bedienung sichtbar werden.
Auch die Assistenzsysteme werden ausgebaut. Neue Rechnerarchitektur, überarbeitete Sensorik und zusätzliche Parkfunktionen zielen darauf, die große Limousine im Alltag handhabbarer zu machen. Deshalb gehören in Europa MB.Drive Assist inklusive Distronic, Lenk-Assistent und Spurwechsel-Assistent serienmäßig zum Angebot. Ein erweitertes MB.Drive Assist Pro soll zunächst in China starten, gefolgt von den USA. Europa könnte folgen, sofern die rechtlichen Rahmenbedingungen es zulassen. Hinzu kommen neue Parkfunktionen, darunter erstmals Unterstützung beim Schrägparken und eine 360-Grad-Ansicht mit verbesserter Grafik.
Die vielleicht wichtigste Nachricht für das Selbstverständnis der Marke steckt am Ende jedoch im Personalisierungsprogramm. Über 150 Lackfarben, mehr als 400 Interieurfarben und zahlreiche Manufaktur-Optionen verschieben die S-Klasse weiter in Richtung Maßkonfektion auf Rädern. Fast jeder Mercedes-Maybach wird laut Hersteller bereits heute mit mindestens einem Manufaktur-Element ausgeliefert, im Schnitt sogar mit drei. Das zeigt, dass nicht die Grundausstattung über die Begehrlichkeit entscheidet, sondern der Abstand zum Fahrzeug des nächsten Kunden. So gesehen ist die neue Mercedes-Maybach S-Klasse ein rollender Beleg dafür, wie sich Luxus verändert. Er wird digitaler, individualisierter und in manchen Punkten sogar demonstrativer, ohne den Anspruch kultivierter Zurückhaltung ganz aufzugeben.
Bleibt die Preisfrage. Offizielle deutsche Listenpreise sind bislang noch nicht benannt. Schon das bisherige Plug-in-Hybridmodell bewegte sich deutlich oberhalb von 180.000 Euro, die neue Generation dürfte also im Bereich knapp unter oder oberhalb von 200.000 Euro liegen. Je nach Motorisierung und Individualisierung wird die Luft darüber schnell dünn – für Normalverdiener ohnehin, für die Zielgruppe eher im wörtlichen als im übertragenen Sinn. (aum)
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