Experten fordern Nebeneinander von Batterie und Wasserstoff

Wasserstoffmobilität im Straßengüter sowie im Flug- und Schiffsverkehr muss als ein Teil der industriepolitischen Priorität behandelt werden, nicht als Nischentechnologie. Das ist eine der Forderungen des Nationalen Wasserstoffrates (NRW), einem Beratergremium aus 22 Experten der Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, die nicht Teil der öffentlichen Verwaltung sind. Klare Marktsignale, regulatorische Verlässlichkeit, ökonomische Anreize und skalierbare Infrastruktur für alle Fahrzeugsegmente fordert der NRW, damit Deutschland eine führende Rolle bei emissionsfreien Antrieben übernehmen kann, statt von Importtechnologien abhängig zu werden.

Der NWR sieht in seiner Stellungnahme „Masterplan Wasserstoff und E-Fuels im Mobilitätssektor“ Deutschland vor einer doppelten Aufgabe: Emissionen schnell und verlässlich zu reduzieren und zugleich industrielle Stärke, Jobs und technologische Souveränität zu sichern. Wasserstoff kann bei allen Verkehrsträgern – Straße, Schiene, Luft, Wasser – eine Rolle spielen. Deutschlands Strategie zur Transformation des straßengebundenen Güterverkehrs sollte auf der Dualität zwischen Wasserstoff- und batterieelektrischen Lösungen basieren, fordern die Experten.

Konkurrenzdebatten verzögern Transformation

Die beiden Optionen Batterie und Wasserstoff als Konkurrenten zu betrachten, sieht der Rat als Gefahr, die Debatte zu polarisieren und die Transformation zu verzögern. Ein Ansatz mit zwei Technologien verringert systemische Risiken und erhöht die Resilienz, auch wegen der reduzierten Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferketten und bei potenziell knappen Rohstoffen.

In Deutschland wird Wasserstoff einen signifikanten Beitrag zur Transformation im Mobilitätssektor leisten können, so das Gremium. Besonders in den Segmenten mit großen Herausforderungen beim Übergang zur Klimaneutralität wie der Luft- und Schifffahrt oder dem straßengebunden Transport, in denen Wasserstoff neben der batterieelektrischen Mobilität die zweite attraktive Option für emissionsfreie Transporte darstellt.

Batterie bei moderatem Energiebedarf

Batterieelektrische Antriebe zur Dekarbonisierung sieht der Rat dort, wo Laden einfach ist und der Energiebedarf pro Kilometer moderat bleibt. Wasserstoff und seine Derivate werden parallel zur Schlüsseltechnologie in Segmenten mit besonders großen Herausforderungen beim Übergang zur Klimaneutralität wie der Schifffahrt, der Luftfahrt, teils der Schiene sowie dem schweren Straßentransport und im Bereich der Sonderfahrzeuge.

Wasserstoff für den schweren Einsatz

Im schweren Straßengüterverkehr schaffen hohe Tageslaufleistungen und knappe Belade- und Lieferfenster Einsatzbedingungen, in denen wasserstoffbetriebene Lkw ihre Stärken ausspielen können. Für diese Segmente wird Wasserstoff – gasförmig oder flüssig – zur Schlüsseltechnologie, um die sektoralen CO₂-Ziele zu erreichen, Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Im Vergleich zur Batterie benötigen Wasserstoff-Technologien deutlich weniger und leichter verfügbare Rohstoffe. Deutsche und europäische Unternehmen können sich als globale Marktführer im Bereich klimaschonender Technologien etablieren und so Marktanteile in der schnell wachsenden internationalen Wasserstoffwirtschaft gewinnen. Auf diese Weise verbindet Wasserstoff Klimaschutz mit Industriepolitik und stärkt langfristig Deutschlands Wirtschaftskraft.

Energieeffizienz und die echten Kosten

Die Diskussion um die batterieelektrische sowie die wasserstoffbasierte Mobilität wird meist auf die Energieeffizienz der verschiedenen Prozessketten reduziert. Der NWR betont, dass solche Energieeffizienzbetrachtungen jedoch nur einen sehr begrenzten Wert haben. Entscheidend seien die Kosten für die Bereitstellung der verschiedenen Energieträger und deren Einsatz für die verschiedenen Anwendungsgebiete. Diese Kosten hängen unter anderem auch, aber nicht ausschließlich von der Energieeffizienz der jeweiligen Prozesskette ab.

Wasserstoffbasierte synthetische Kraftstoffe leisten über ihre verkehrs- und industriepolitische Bedeutung hinaus einen Beitrag zur nationalen Resilienz. Staatliche Sicherheitsakteure wie zum Beispiel Bundeswehr, Bundespolizei und Katastrophenschutz sind dauerhaft auf lagerfähige, hochenergetische und interoperable flüssige Kraftstoffe angewiesen, die mit bestehenden Fahrzeugflotten kompatibel sind.

Mit Wasserstoff zu Handlungsfähigkeit

In Deutschland bzw. Europa erzeugter grüner Wasserstoff ermöglicht den Aufbau resilienter inländischer Wertschöpfungsketten für synthetische Kraftstoffe und reduziert strategische Abhängigkeiten, betont der NRW. Damit stärkt heimische Wasserstoffproduktion zugleich die krisenfeste Energieversorgung und die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands.

Wasserstoffmobilität ist demnach ein strategischer Pfeiler der industriellen und technologischen Souveränität Deutschlands. Im globalen Wettbewerb um emissionsfreie Antriebstechnologien wird die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas entscheidend davon abhängen, Wertschöpfungsketten zu sichern, industrielle Skalierung zu erreichen und Innovationszyklen zu beschleunigen. Ein konsistenter und glaubwürdiger politischer Rahmen für Wasserstoff ist daher erforderlich, um industrielle Kapazitäten zu erhalten, ingenieurtechnische Exzellenz zu sichern und hochqualifizierte Beschäfti-gung zu fördern.

China stärkt die eigene Wasserstoffwirtschaft

Globale Wettbewerber erhöhen das Tempo: China positioniert die Wasserstoffmobilität zunehmend als strategischen Bestandteil der nationalen Industrieplanung, weitet seine Subventionspolitik aus, stärkt industrielle Cluster und entwickelt Standards für Wasserstoff- sowie CO₂ Reduktionssektoren aktiv weiter. Trotz dieses schnellen technologischen Fortschritts in China hat Deutschland das technologische und kommerzielle Potential, im globalen Wettbewerb zu bestehen. (aum)

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Wasserstoffbetankung.

Wasserstoffbetankung.

Photo: Toyota via Autoren-Union Mobilität

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