Praxistest Skoda Elroq: Warum die Tschechen so erfolgreich Geschichte schrieben

Trabant, Wartburg, Moskwitsch, Tatra oder Polonez, die einst bekannten Automarken aus dem Osten sind Geschichte. Nur Dacia und Skoda haben den Wirren um die Auflösung der Sowjetunion widerstanden und steile Karrieren hingelegt. Nicht ganz ohne fremde Hilfe. Bei Skoda hatte Anfang der 1990er Jahre auch Renault angeklopft, die Verbundenheit des VW-Chefs Carl Hahn und vor allem die der Familie Piech mit der tschechischen Marke entschied aber schließlich, dass Skoda neben VW, Audi und Seat als viertes Autounternehmen am 16. April 1991 in den Konzern eingegliedert wurde.

Dem traditionellen Unternehmenssitz in Mlada Boleslav, 80 Kilometer nördlich von Prag gelegen, sollte eine großartige Zukunft winken. Renault bediente sich unterdessen bei Dacia und etablierte den rumänischen Autobauer ebenfalls nicht ohne Erfolg als Billigmarke. Der Unterschied zum VW-Abschluss: Skoda wurde eben nicht zur Billigmarke degradiert, allenfalls der Begriff der Preiswürdigkeit stand im Raum.

Dies manifestierte sich jedoch nicht nur im Preis, der stets um einige Prozentpunkte niedriger lag als bei den Schwestermarken und Wettbewerbern. Skoda setzte auf die Demokratisierung des Designs. Das heißt: Ein günstiges Auto kann schön sein, muss es sogar. Bereits vor dem Konzernanschluss hatte die Unternehmensführung den italienischen Designer Giuseppe Bertone bei einem Besuch des Automobilsalons in Genf engagiert, um neue Modelle zu gestalten oder laufende Serien zu verjüngen. Favorit und Felicia waren erste Ergebnisse, mit denen sich Skoda vom östlichen Umfeld differenzierte. Der Belgier Dirk van Braeckel wurde erster Chefdesigner in Mladá Boleslav, er gestaltete die Bestseller Fabia und Octavia, es folgten Thomas Ingenlath und Jozef Kaban, heute zeichnet Oliver Stefani für die Gestalt der Skoda-Baureihen verantwortlich.

Fehlversuche gab es kaum, allenfalls die zweite Generation des Kleinwagens Fabia wirkte mit ihren „hängenden“ Kotflügeln vorn leicht bräsig. Und der Familienkombi Roomster war überaus praktisch und flexibel, schön aber geht anders. Dennoch gehörte Design immer zum Markenkern von Skoda. Unvergessen die kristallinen Strukturen, die beim Octavia unter den Rücklichtern auf die in der Tschechischen Republik traditionelle Kunst des Glasschleifens hinweisen sollten. Aber auch der überaus gelungene Slogan „Simply Clever“ prägte die Marke. Regenschirme in den Verkleidungen der Türen, ein Eiskratzer im Tankdeckel, Abfallsammler in der Türtasche oder Halter fürs Handy und Tablet in der Armlehne im Fond sowie klappbare Taschenhaken im Kofferraum, all das sind pfiffige Ideen, die das Autofahrerleben vereinfachen und bei denen einer fragen könnte: „Warum ist darauf nicht schon früher jemand gekommen?“

Die Blechkleider im Portfolio sind heute straff geschnürt, Opulenz oder gar Barock kommt nicht vor, die Modellpalette macht einen durchgehend frischen und modernen Eindruck. Und: Die Elektrifizierung der Baureihen ist Skoda mit traumwandlerischer Sicherheit gelungen. Neun verschiedene Modellreihen sind im Angebot, vier davon gehören in die Pkw-Riege, fünf fahren als SUV in verschiedenen Kategorien vor und kommen als Elektriker mit dicken Akkus gut 450 Kilometer weit. Mit einem der jüngeren Vertreter, dem Skoda Elroq, haben wir einige zügige Runden durchs Rhein-Main-Gebiet gedreht und haben uns dabei von 210 kW (286 PS) und einem Spitzendrehmoment von 545 Newtonmeter beflügeln lassen.

Obwohl er mit einer Länge von 4,5 Metern deutlich oberhalb der kleineren Schwestermodelle rangiert, wirkt er nicht groß, eher solide und erfreut mit sehr ausgewogenen Proportionen. Angetrieben werden die Hinterräder, auf Wunsch gibt es auch Allrad, grundsätzlich kommt er als Vollzeitstromer zum Basispreis von 43.900 Euro auf die Straßen. Der Innenraum empfängt mit ledernen Sitzbezügen und stilvoll kombinierten Verkleidungsmaterialien, alles wirkt hochwertig und bestens verarbeitet. Das Raumangebot ist vorne vorzüglich, hinten fühlen sich zwei Mitfahrer dank guter Knie- und Kopffreiheit wohl, der Mensch auf dem undankbaren Mittelplatz reist wegen der konturierten Sitzfläche eher in der zweiten Klasse.

Reichlich Platz gibt’s auch fürs Gepäck. 470 Liter passen in den Kofferraum, ein praktisches Netz unter der oberen Abdeckung nimmt mitfahrende Accessoires oder auch das sonst lästig herumliegende AC-Ladekabel auf. Wer die Rücksitzlehnen umklappt, steigert das Transportvolumen auf dachhoch beladen stolze 1580 Liter. Bescheiden muss sich die allerdings wenn sie einen Caravan als Feriendomizil anhängen will. Zwar werden 1200 Kilogramm gestattet, die allerdings nur bis zu Steigungen von acht Prozent, die üblichen zwölf Prozent senken die Schlepperqualität auf eine Tonne. Wohl bemessen ist dagegen die Zulademöglichkeit, denn leer wiegt der Elroq stattliche 2125 Kilogramm. Trotzdem dürfen maximal 600 Kilogramm eingepackt werden.

Dem Fahrerlebnis wohnt ein umfassendes Verwöhnaroma inne. Die auf 180 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit ist mehr als angemessen, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h dagegen fulminant. In 6,6 Sekunden absolviert der Elroq den Standardsprint, dank des Heckantriebs und einer wahrhaft perfekt kalibrierten Traktionskontrolle gelingt ihm das auch bei nicht ganz trockenem Fahrbahnbelag. Beim konventionellen Ampelstart sollte der Chauffeur zumindest dann mit Bedacht aufs Strompedal drücken, wenn Passagiere an Bord sind. Denn der elektrische Antriebsstrang nimmt seine Sache ernst und löst heftiges Kopfnicken bei den Mitfahrern aus, was aber in diesem Fall keineswegs zwangsläufig auf Zustimmung zurückzuführen ist.

Der Verbrauch wurde von der herrschenden Eiseskälte in Deutschland nach oben gepusht. Trotz der meist uneiligen Fahrten erreichten wir den WLTP-Wert von 15,2 kWh auf 100 Kilometer nicht, sondern lagen um gut 2,5 kWh darüber. Daher ist auch das Reichweitenversprechen nur eingeschränkt gültig, statt 580 Kilometer sind unter diesen Bedingungen eher 430 Kilometer zu schaffen. Auch beim Laden mit bis zu 135 kW vergeht mehr Zeit als erwartet. Um den Akku an Gleichstrom von 10 auf 80 Prozent zu bringen, muss sich der Elroq-Fahrer schon mal 40 Minuten gedulden.

Die Bedienung des E-SUV ist denkbar einfach und unterstützt an vielen Stellen sinnvoll. So startet der Antrieb auch ohne den Druck auf den Startknopf an der Lenksäule, der schlüssellose Start und Zugang funktioniert perfekt. Erfreulich sind die realen Bedientasten, die nun wieder unter dem großen Mittelbildschirm zu finden sind, die meisten Funktionen lassen sich so ohne den über das Touchdisplay irrlichternden Zeigefinger kontrollieren. Die Lautstärke der wohlklingenden Audioanlage kann über eine Walze am Multifunktionslenkrad eingestellt und der von uns immer wieder ungeliebte Spurhalteassistent mit zwei Fingertipps abgestellt werden. Den richtigen Ton trifft unterdessen die Geschwindigkeitswarnung. Während die Navigationsassistentin zuverlässig und in aller Freundlichkeit auf Überwachungskameras der Tempolimits oder an roten Ampeln hinweist, meldet sich das System bei einer Überschreitung mit einem dezenten Zweiklang, der überraschend gut mit dem Popsong der Eurythmics „Love ist a Stranger“ sowohl rhythmisch als auch tonal ausgezeichnet harmoniert. Zufall?

Der Fahrwerk des Elroq ist klar in Richtung Komfort getrimmt, ohne weich zu sein, Querfugen oder Kanaldeckel verlieren daher ihre Schrecken. In Kurven bleibt die Seitenneigung der Karosserie im Rahmen, die Lenkung noch halbwegs direkt. Ohnehin ist die Rangierfreudigkeit gegeben, bei einem Spurkreisdurchmesser von schlanken 9,3 Meter dreht das Skoda SUV fast auf der Hinterhand. Und wer will kann bis zu fünf Parkpositionen speichern, die der Elroq dann in Eigenregie einnimmt. Den Basispreis treiben allerlei Ausstattungen wie Audio, Navigation, die nicht serienmäßige Wärmepumpe, 20-Zoll-Leichtmetallräder und eine Edellackierung nach oben. So kommen dann beinahe 55.700 Euro als Testwagenpreis zusammen, der aber einen nachhaltigen und ebenso Fahrfreude vermittelnden wie Alltagspraktikabilität bietenden Gegenwert verspricht. Preiswert eben, was diesem Skoda am Ende auch den Titel „German Car oft he Year“ beschert hat. (aum)

Technische Daten Skoda Elroq 85

Länge x Breite x Höhe (m): 4,49 x 1,88 x 1,65
Radstand (m): 2,77
Antrieb: Elektromotor, RWD, Reduktionsgetriebe
Systemleistung: 210 kW / 286 PS
Drehmoment: 545 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,6 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 15,2 – 16,4 kWh
Testverbrauch: 17,8 kWh
Batteriekapazität: 82 kWh (netto 77 kWh)
Ladezeiten: AC 11 kW, DC 135 kW
Leergewicht / Zuladung: min. 2125 kg / max. 600 kg
Kofferraumvolumen: 470–1580 Liter
Max. Anhängelast: 1200 kg (bei 8 % Steigung)
Basispreis: 43.900 Euro
Testwagenpreis: 55.690 Euro

Weiterführende Links: Skoda

Mehr zum Thema: ,

Teile diesen Artikel:

Bilder zum Artikel
Skoda Elroq.

Skoda Elroq.

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Elroq.

Skoda Elroq.

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Elroq.

Skoda Elroq.

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Elroq.

Skoda Elroq.

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Elroq.

Skoda Elroq.

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Elroq.

Skoda Elroq.

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Elroq.

Skoda Elroq.

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Elroq.

Skoda Elroq.

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Elroq.

Skoda Elroq.

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Favorit 136 L (1988–1994).

Skoda Favorit 136 L (1988–1994).

Photo: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Download:


Skoda Felicia 1.6 Combi (1997).

Skoda Felicia 1.6 Combi (1997).

Photo: Auto-Medienportal.Net/Riedel

Download:


Skoda Fabia Combi, Skoda Fabia und Skoda Roomster.

Skoda Fabia Combi, Skoda Fabia und Skoda Roomster.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Skoda

Download:


Škoda Roomster.

Škoda Roomster.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Škoda

Download: