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CES 2026: Ein Pflichttermin für Entwickler und Entscheider

Einen umfassenden Überblick über den aktuellen Automobilmarkt, den bekommt man heute eigentlich auf gar keiner Messe mehr geboten – zumindest nicht in Nordamerika und Europa. Das gilt auch für die Consumer Electronics Show (CES), die sich in den letzten zehn Jahren als Startschuss ins automobile Jahr entwickelte. Diesmal waren allerdings kaum Hersteller zu sehen. Und trotzdem war die CES auch heuer ein Termin, den man nicht auslassen sollte.

Es sind nicht die klassischen Motorjournalisten, die das Publikum in der Wüstenmetropole ausmachen, und es gibt vor allem kein Massenpublikum. Dafür wimmelt es vor Ingenieuren, Entwicklern und auch Führungskräften. Georg Schaeffler wurde gesehen, Hyundai kam mit dem globalen Spitzen-Management, und auch Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius sah sich im Las Vegas Convention Center um. Und dies, obwohl die Marke auf jegliche Messepräsenz verzichtete.

Mercedes-Benz konzentrierte sich auf den zeitgleich stattfindenden Autosalon in Brüssel, wo sich der neue CLA – wahlweise mit Elektroantrieb oder aus China eingekauftem Verbrennungsmotor – die Traditionsauszeichnung des europäischen „Autos des Jahres” abholte. Kommuniziert wurde auf der CES dagegen die Kooperation mit dem kraftstrotzenden Chiphersteller Nvidia, der im benachbarten Fontainebleau Hotel gleich eine ganze Etage gemietet hatte.

BMW klotzte in Las Vegas mit einem eindrucksvollen Auftritt, der sich allerdings auf den bereits vorgestellten iX3 beschränkte. Die Integration des Sprachmodells Alexa Plus soll die Defizite der
aktuellen Spracherkennung korrigieren, und das funktioniert nach unseren ersten Eindrücken auch ausgesprochen gut.

Die SUV-Variante der Neuen Klasse profiliert sich zudem mit einer ungewöhnlichen und innovativen Instrumentierung: Das Lenkrad ist so tief montiert, dass es auch in der Variante mit vertikal angeordneten Speichen den Blick auf die Displays nicht versperrt. Diese werden am unteren Ende der Windschutzscheibe eingespielt, darüber gibt es optional ein Head-up-Display. BMW muss hoffen, dass das neue Bedienkonzept bei den Kunden ankommt - denn es wird in den nächsten Jahren auf alle Baureihen ausgerollt.

Hyundai zelebrierte ebenfalls den großen Auftritt, legte den Schwerpunkt aber auf Robotik. Der Roboter Mob ED (Mobile Eccentric Droid), von Hyundai gestaltet, soll unter anderem die Mobilität der letzten Meile übernehmen. Und der humanoide Roboter Atlas, entwickelt von der 80-prozentigen Hyundai-Tochter Boston Dynamics, wird in den nächsten Jahren in großen Stückzahlen gebaut, um die verbleibenden, oftmals gefährlichen und unangenehmen manuellen
Aufgaben in den gigantischen Produktionsstätten der Koreaner zu übernehmen.

Wer die Marke Vinfast nach der ersten Berichterstattung abgeschrieben hat, hat sich noch nicht mit dem Tensor beschäftigt - einem futuristischen, im kalifornischen Silicon Valley entwickelten Robocar, das zum Flaggschiff der Flotte des Fahrdienstleisters Lyft avancieren soll. Die glatte Außenhaut verdankt ihr Design der KI, gebaut wird die beeindruckende Fließheck-Limousine bei Vinfast.

Die chinesische Marke Kosmera feierte ihre Weltpremiere mit zwei Varianten eines neuen Hypercars mit rund 2000 PS. Eine davon ist sichtbar von Bugatti inspiriert, die andere Version präsentiert sich deutlich eigenständiger. Man will sich über die KI positionieren: Dieses Auto coacht den Fahrer auf der Rennstrecke in Echtzeit. Nebenbei sollen Rekorde abgeräumt werden, über 500 km/h Spitze sind im Gespräch. Chefdesigner Simon Meng hat ein Team aufgebaut, das inzwischen Fahrzeuge für mehrere Segmente entwickelt.

Was die CES ausmacht, sind Innovationen. Zum Beispiel das System Pilot Detect von GE-T, das sich mit der Fahrererkennung beim autonomen Fahren befasst. Dabei wird kapazitive Sensorik am Lenkrad durch frequenzbasierte Sensorik ersetzt, um zuverlässig zu erkennen, ob der Fahrer die Hände am Lenkrad hat. Das System funktioniert besser und zuverlässiger - und es senkt die Kosten.

Der Scheinwerfer-Zulieferer Koito zeigt Lichtsysteme, bei denen Signale gleichsam auf die Straße gelegt werden können. Und Valeo profiliert sich nicht nur mit einer neuartigen Scheinwerfer-Optik,
sondern auch mit Wischersystemen, die so effizient sind, dass die Waschwassertanks kleiner werden können. Bei regulären Fahrzeugen fassen sie rund fünf Liter, bei autonomen Fahrzeugen sind sie auf bis zu 30 Liter ausgelegt: ein großer Gewichtsfaktor. Valeo bringt zudem neue Cockpitmodule, mit denen der Fahrer Wunschmotive generieren kann, die auf dem Bildschirm dargestellt werden. Und beim Entwicklungsdienstleister Gentex sind dimmbare Dachmodule sowie Sonnenblenden mit integrierter Spiegel- und Kamerafunktion zu sehen.

Schaeffler zeigte eine Reihe neuartiger Lösungen - von der Superbox als integriertes Steuergerät über Robotik-Komponenten bis hin zu einer Allradlenkung mit nahezu perfekter Rückmeldung. Visteon brillierte unter anderem mit Cockpit-Systemen, ZF kommunizierte die Zusammenarbeit mit Qualcomm für ADAS-Systeme.

Die CES wäre nicht die CES, wenn es nicht auch blanke Gimmicks gäbe. Zum Beispiel die Elektroroller der 1000-Euro-Preisklasse, für die Bugatti unter Mate Rimac seinen Namen hergibt. Ernstgemeint ist hingegen ein Highlight aus China, das bei einigen europäischen Beobachtern für Schockerlebnisse sorgte. Bei Great Wall Motors war nämlich ein neues Antriebsaggregat zu besichtigen – ein 4,0-Liter-V8-Biturbo mit entsprechendem, eigens komponierten Klang. Gerade bei der CES ist diese Maschine durchaus eine Provokation – und ein Denkanstoß: Die Zukunft bleibt auch antriebstechnisch divers. (aum)

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Robotik-Mobilitätsplattform Mob ED von Hyundai.

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Photo: Hyundai via Autoren-Union Mobilität


ZF stellte in Las Vegas unter anderem sein Chassis 2.0 vor, das mittels Software und künstlicher Intelligenz neue Fahrwerkfunktionen ermöglicht.

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Photo: ZF via Autoren-Union Mobilität