Der weltweite Luftverkehr lag im Sommer über dem Vorkrisenniveau. Asien ist dabei die größte Marktregion. Der Anteil von Low-Cost-Flügen am weltweiten Luftverkehr bleibt dabei hoch, entwickelt sich regional jedoch sehr unterschiedlich. Weltweit entfallen rund 31 Prozent des Angebots im Passagierluftverkehr auf das Billigflieger-Segment. In Europa sind es etwa 36 Prozent, wobei Deutschland mit rund 26 Prozent deutlich unter diesem Durchschnitt liegt. Im rein innerdeutschen Luftverkehr sind es nur noch etwa acht Prozent. Das geht aus dem „Monitor Luftverkehr und Low-Cost“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervor.
„Low-Cost ist global ein zentrales Marktsegment im Luftverkehr und gewinnt in Asien und Teilen des Mittleren Ostens stark an Gewicht, während das Angebot in Deutschland im Vergleich zur Vor-Pandemie-Zeit spürbar geschrumpft ist“, sagt Dr.-Ing. Markus Fischer, DLR-Bereichsvorstand Luftfahrt.
Im ersten Halbjahr betrug das Aufkommen im weltweiten Luftverkehr rund 2,3 Milliarden Passagiere – ein Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2024. Während die Nachfrage insgesamt wächst, lag das globale Flugaufkommen mit etwa 18,1 Millionen Flügen im ersten Halbjahr noch 3,2 Prozent unter dem Niveau von 2019. Die Starts im Low-Cost-Segment wuchsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent auf 5,7 Millionen Flüge. Asien und Europa haben sich mit je etwa 36 Prozent Low-Cost-Anteil zu den größten Regionen in diesem Segment entwickelt und Nordamerika überholt. Parallel dazu hat der Low-Cost-Sektor im Mittleren Osten in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich zugelegt.
Zu den 25 international größten Fluggesellschaften gehören derzeit sechs Low-Cost-Carrier: Southwest Airlines (USA), Ryanair (Europa), Easyjet (Europa), Indigo (Asien), Jet Blue Airways (USA) und Azul Brazilian Airlines (Südamerika). Weltweit sind mehr als 100 Fluggesellschaften in diesem Markt aktiv. In Deutschland bieten aktuell zwölf Fluggesellschaften überwiegend Low-Cost-Verbindungen an, in Europa rund 18.
In der untersuchten Juli-Woche wurden über 70.000 Low-Cost-Flüge in Europa durchgeführt, auf knapp 10.730 unterschiedlichen Strecken in 44 Ländern. Ryanair bot mit knapp 24.700 Starts das größte Angebot, etwa 40 Prozent mehr Abflüge als 2019 und hält rund 35 Prozent Anteil am europäischen Low-Cost-Markt.
Auf Länderebene führte Spanien mit über 12.500 Starts auf über 1400 Verbindungen, Großbritannien folgte mit rund 1300 Strecken. Auf den weiteren Plätzen nach den angebotenen Flügen folgten Italien und Frankreich. Deutschland lag an fünfter Stelle. Barcelona war mit etwa 2600 wöchentlichen Starts der größte Low-Cost-Standort Europas.
Für Deutschland zählt die Studie 4401 Low-Cost-Starts in der beispielhaft betrachteten Juliwoche – ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber 2024, aber immer noch 34 Prozent unter dem Wert von 2019. Eurowings führte mit knapp 2200 Starts, was einem Zuwachs von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, aber noch 30 Prozent unter dem Sommer 2019 liegt. Es folgten Ryanair mit 1100 Starts und Wizz Air mit 390 Starts pro Woche. Insgesamt wurden ab Deutschland 758 unterschiedliche Strecken bedient. Der Low-Cost-Anteil sank im Vergleichszeitraum von 33 Prozent im Jahr 2019 auf 26 Prozent in diesem Jahr. Der innerdeutsche Low-Cost-Anteil liegt weiterhin bei etwa acht Prozent. Frühere Spitzenwerte reichten bis zu 40 Prozent. Ursachen sind der Rückzug einzelner Anbieter, die Nachwirkungen der Pandemie und strukturelle Marktveränderungen.
Während der Billigflug-Anteil an den großen Drehkreuzen Frankfurt und München unter fünf Prozent liegt, beträgt er an Flughäfen wie Berlin, Düsseldorf, Stuttgart und Köln jeweils über 40 Prozent. An kleineren Flughäfen wie Memmingen, Niederrhein (Weeze), Hahn und Karlsruhe liegt der Anteil bei über 90 Prozent. Berlin war in der analysierten Woche mit 855 wöchentlichen Low-Cost-Starts führend, gefolgt von Düsseldorf, Köln, Hamburg und Stuttgart.
Grenznahe Flughäfen im Ausland stellen für deutsche Reisende in Regionen mit begrenztem Flugangebot eine Alternative dar. So boten Eindhoven und Basel im Untersuchungszeitraum mehr als 400 Low-Cost-Flüge pro Woche an.
Die durchschnittlichen Preise für einen Billigflug variierten im Herbst je nach Fluggesellschaft zwischen 48 und 113 Euro. Wizz Air bot im deutschen Markt insgesamt durchschnittlich die günstigsten Flüge an (rund 48 Euro), gefolgt von Ryanair (rund 72 Euro), Eurowings (rund 106 Euro) und Easyjet (rund 113 Euro). Die Preise unterlagen dabei erheblichen Schwankungen in Abhängigkeit vom Zeitraum zwischen Buchung und Abflug. Während Flüge mit einer Vorausbuchungsfrist von drei Monaten im Schnitt zwischen 49 und 76 Euro kosteten, waren kurzfristig am Vortag gebuchte Low-Cost-Flüge teilweise mehrfach so teuer und lagen durchschnittlich zwischen 66 und 167 Euro.
Auch wenn Low-Cost-Fluggesellschaften nach wie vor typische Merkmale wie niedrige Preise, Direktvertrieb über das Internet und Punkt-zu-Punkt-Verbindungen aufweisen, lassen sie sich heute kaum noch klar vom restlichen Markt abgrenzen. Viele Fluggesellschaften verfolgen inzwischen hybride Geschäftsmodelle, die Elemente traditioneller Netzwerk- oder Touristik-Fluggesellschaften integrieren. Für die Analysen des DLR werden Fluggesellschaften dem Low-Cost-Segment zugeordnet, wenn ihr Angebot überwiegend preisgünstig und allgemein zugänglich ist. (aum)
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