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„Das Auto bleibt weiterhin das wichtigste Verkehrsmittel“

Deutschland bewegt sich – aber anders als noch vor ein paar Jahren. Die neue Ausgabe der Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD), im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) zum vierten Mal erhoben, zeigt auf 240 Seiten, wie sich Routinen verschieben und neue Verkehrsmuster den Alltag prägen. Mehr als 421.000 Menschen wurden für die größte deutsche Mobilitätsstudie zwischen Mai 2023 und Juni 2024 befragt, in über 1000 Städten und Gemeinden. Ergebnis: Die Republik bleibt ein Autoland, doch sie beginnt zugleich, auf neuen Wegen zu laufen, zu rollen und zu fahren.

Der Pkw bleibt dabei klar das meistgenutzte Verkehrsmittel. 53 Prozent aller Wege und sogar 73 Prozent aller Kilometer werden mit dem Auto zurückgelegt – als Fahrer oder Mitfahrer. Allerdings ist dieser Anteil erstmals gesunken, um vier Prozentpunkte im Vergleich zu 2017 wo er noch 57 Prozent ausmachte. Doch von einer fundamentalen Verschiebung kann keine Rede sein. „Das Auto bleibt weiterhin das wichtigste Verkehrsmittel“, betonte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder bei der Vorstellung. Vor allem auf dem Land sei es unverzichtbar. Die Diskrepanz zwischen Stadt und Land bleibt groß: Während Bewohner von Metropolen zunehmend alternative Angebote nutzen, bleibt das Auto in ländlichen Regionen oft alternativlos. Aber auch dort, wo Menschen es seltener nutzen, verschwindet es keineswegs aus dem Straßenbild. Im Gegenteil, die Zahl der Autos steigt weiter, fast 50 Millionen Pkw sind inzwischen registriert.

Doch fast die Hälfte aller Autos bleibt an einem durchschnittlichen Tag gänzlich stehen, eine bemerkenswerte Zunahme seit 2008, als nur jedes dritte Auto unberührt blieb. Die mittlere Fahrleistung fällt auf etwa 26 Kilometer täglich. Dafür führen die Autoren der Studie viele Gründe an: mehr Homeoffice, veränderte Arbeitswege, ein stärkeres Bewusstsein für Alternativen – und vielleicht auch ein Schuss Bequemlichkeit: Wer das Haus seltener verlässt, nutzt das Auto eben auch seltener.

Eine der auffälligsten Verschiebungen zeigt sich bei den Elektroautos. Sie sind längst nicht mehr nur Kurzstreckenmaschinen für vorsichtige Pioniere. Die Jahresfahrleistung von E-Autos liegt heute bei durchschnittlich 14.600 Kilometern – fast gleichauf mit dem Gesamtdurchschnitt aller Pkw. 13 Prozent der Fahrten überschreiten die 30-Kilometer-Marke und liegen damit auf dem Niveau der Verbrenner. Die frühere Reichweitenangst spielt im Alltag offenbar eine immer geringere Rolle. „Die Elektromobilität ist mitten im Alltag angekommen“, glaubt Schnieder. Dennoch bleibt der Marktanteil gering: Nur fünf Prozent der verfügbaren Pkw in Privathaushalten fahren elektrisch. Die Bundesregierung setzt daher verstärkt auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur, insbesondere in Mehrfamilienhäusern, um die Technologie alltagstauglicher zu machen.

Deutlich sichtbarer als die E-Wende ist der Aufstieg des Pedelecs. Der Bestand hat sich seit 2017 fast verdreifacht, von 50 auf über 140 pro 1000 Personen. Die elektrischen Fahrräder verändern die Art, wie Distanzen wahrgenommen werden. Im Schnitt werden mit ihnen rund 14 Kilometer pro Tag zurückgelegt, etwa die Hälfte mehr als mit herkömmlichen Fahrrädern. Insgesamt summieren sich die täglich geradelten Kilometer auf 117 Millionen. Das E-Bike wird damit zunehmend zu einem echten Alltagsfahrzeug, nicht nur fürs Pendeln, sondern auch für Freizeit und Besorgungen.

Wer weder fährt noch radelt, der geht. Und zwar deutlich häufiger als früher. Der Anteil der Wege, die ausschließlich per Fuß zurückgelegt werden, ist von 22 auf 26 Prozent gestiegen – der höchste Wert seit 2008. Täglich sind das rund 113 Millionen Personenkilometer. Studienautor Robert Follmer nennt einen bunten Strauß an Gründen: mehr Hunde, mehr Schritte-Zähler, mehr Gesundheitsbewusstsein. Die Pandemie hat zudem viele Menschen dazu gebracht, ihre direkte Umgebung neu zu entdecken. Die wachsende Zahl der Fußgänger lasse jedoch auch Probleme sichtbar werden: Viele fühlen sich unsicher, vielerorts seien Wege zu schmal, zu schlecht oder schlicht nicht vorhanden.

Einen deutlichen Aufwärtstrend verzeichnet der öffentliche Verkehr. Das Deutschlandticket hat den ÖPNV nach dem pandemiebedingten Tief wieder stabilisiert. 16 Prozent der Befragten nutzen es als ihr Standardticket, in Metropolen sogar jeder Dritte. Bemerkenswert auch, dass ein Drittel der Fahrten Freizeitwege sind. Das spricht dafür, dass der ÖPNV nicht nur für Pendler attraktiv geworden ist, sondern auch für spontane, alltägliche Wege. Inzwischen ist die Finanzierung des Tickets bis 2030 gesichert, ab Januar 2026 steigt der Preis allerdings auf 63 Euro, ab 2027 soll ein Index über weitere Preisentwicklungen entscheiden.

Doch auch hier bleibt die altbekannte Hürde. Der ÖPNV ist nur dort attraktiv, wo er gut ausgebaut ist. Über die Hälfte der Bevölkerung empfindet schlechte oder fehlende Verbindungen als entscheidendes Hindernis für die Nutzung. Ein günstiges Ticket ersetzt eben kein fehlendes Busangebot – ein Problem, das besonders in ländlichen Regionen auftritt. Die MiD macht das deutlicher denn je: Während die Gesellschaft neue Mobilitätsformen annimmt, wachsen die Unterschiede zwischen Stadt und Land weiter. In den Metropolen wird das Ticket gefeiert, das Fahrrad boomt, und viele Wege werden zu Fuß erledigt. In kleineren Gemeinden hingegen bleibt das Auto die oft einzige verlässliche Option.

Insgesamt sind die Deutschen pro Tag 84 Minuten unterwegs, im Sommer mehr, im Winter weniger, am Freitag am meisten. Vieles am Mobilitätsverhalten erscheint erstaunlich stabil. Und doch lässt der neue Datensatz erahnen, wohin sich das Land bewegen könnte. Nicht mit einem großen Sprung, sondern Schritt für Schritt, Fahrt für Fahrt und Ticket für Ticket. Das Verkehrsverhalten der Menschen ändert sich, weil sich ihre Lebenswelt verändert. Mobilität bleibt damit ein Spiegel der Gesellschaft und ein Feld, auf dem sich der Wandel leiser vollzieht, als es manche Debatte vermuten lässt, aber deutlicher, als es noch vor wenigen Jahren absehbar war. (aum)

Weiterführende Links: BMVI-Presseseite

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Wenn es um Mobilität geht, bleibt das eigene Auto nach wie vor das Verkehrsmittel der Wahl.

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Die Ansprüche der Generation Z und Y an die Mobilität haben sich verändert. Es muss nicht mehr zwingend ein eigenes Auto sein.

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Radfahrer im Stadtverkehr.

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Experten fordern eine engere Vernetzung von Radverkehr und ÖPNV.

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Pedelecs, wie dieses Modell von Stevens, haben inzwischen das klassische Fahrrad bei den Verkaufszahlen überholt.

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Pedelecfahrerin.

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E-Bikes werden als Teil der Verkehrswende gesehen.

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Öffentlicher Personennahverkehr.

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ÖPNV.

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