Der ACE Auto Club Europa hat im Rahmen seiner 20. Clubinitiative 167 Grundschulen überprüft – mit einem ernüchternden Ergebnis: Lediglich fünf Prozent der Schulwege gelten als sicher. Rund 30 Prozent erhielten die Note „mangelhaft“, sechs Prozent wurden sogar als gefährlich eingestuft. Im Fokus standen dabei die morgendliche Bringsituation sowie die Verkehrsinfrastruktur im Umfeld der Schulen.
Elterntaxis als Sicherheitsrisiko
Der Bringverkehr sorgt vielerorts für Chaos. Von 6422 beobachteten Elterntaxis verstießen 41 Prozent gegen Verkehrsregeln – mit potenziell gefährlichen Folgen für alle Kinder:
20 Prozen hielten im Halteverbot
8 Prozent blockierten Einfahrten
6 Prozent parkten auf Gehwegen
6 Prozent standen in zweiter Reihe
Häufig stiegen Kinder zudem zur Fahrbahnseite aus oder Eltern wendeten riskant.
Nur an zwei Schulen – der Grundschule am Waldrand in Schwedt (Brandenburg) und der Sebastianschule in Rosendahl (NRW) – lief der Bringverkehr komplett regelkonform. Das Negativbeispiel kommt aus Pforzheim: An der Nordstadtschule fuhren im Schnitt nur 14 Prozent der Elterntaxis fehlerfrei.
Im Ländervergleich schneidet Sachsen am besten ab (89 Prozent regelkonform), Schlusslichter sind Saarland (52 Prozent) und Rheinland-Pfalz (57 Prozent).
Infrastruktur oft nur Mittelmaß
Auch beim Umfeld der Schulen zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Zwar gilt an 92 Prozent Tempo 30, doch wirklich verkehrsberuhigte Bereiche („Spielstraße“/Zone) gibt es nur an sechs Prozent der Standorte. Acht Prozent verfügen über keinerlei Querungshilfe.
Die besten Durchschnittswerte erreichen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg (je 9,6 von 14 Punkten), die schlechtesten Rheinland-Pfalz (7,7) und das Saarland (7,5). Die schwächste Einzelschule war die Ganztagsgrundschule in Stendal (4,5 Punkte). Platz 1 teilen sich vier Schulen mit je 12 Punkten, darunter die Grundschule Passau-Grubweg (Bayern) und zwei Schulen in NRW.
Handlungsdruck steigt
Der ACE-Schulweg-Index meint: Ohne gemeinsames Gegensteuern bleibt der Schulweg für viele Kinder riskant. Der Club fordert ein entschlosseneres Vorgehen von Kommunen, Ländern, Eltern und Schulen. Nur das Zusammenspiel aus konsequenter Kontrolle, klarer Aufklärung und sicherer Infrastruktur könne Abhilfe schaffen. „Bund, Länder, Kommunen, Eltern und alle Verkehrsteilnehmenden müssen jetzt gemeinsam handeln – jedes Kind zählt“, mahnt Manfred Wirsch, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) und Schirmherr der Initiative.
Der ACE erhebt seit 2005 jährlich bundesweit Daten zu Verkehrssicherheit. Für die aktuelle Analyse waren zwischen April und Juli rund 700 Ehrenamtliche im Einsatz. Sie beobachteten jeweils 30 Minuten vor Unterrichtsbeginn den Bringverkehr und bewerteten die Infrastruktur im Umkreis von 200 Metern nach einem einheitlichen Kriterienkatalog. (aum)
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