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Caravaning 2023: Abkühlung auf hohem Niveau

Die Hoffnung, dass diese in diesem Jahr wieder ausgebügelt werden kann, scheint sich nicht zu erfüllen. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die das Marktforschungsinstitut Miios zusammen mit den Unternehmensberatern von GSR vorgenommen hat. Zwar sind noch immer gut 18,2 Millionen Menschen campingaffin, also geben an, sicher oder sehr wahrscheinlich einen ihrer nächsten Urlaub in einem Heim auf Rädern verbringen zu wollen, doch wird der Rückgang oder zumindest der Wachstumsschwund immer deutlicher.

Wohnwagen mussten im ersten Halbjahr ein Minus von zehn Prozent hinnehmen, es wurden in diesem Zeitraum 12.631 Caravans neu zugelassen. Die Reisemobile, von denen 40.956 Stück in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verkauft wurden, verzeichneten einen Zuwachs von lediglich einem Prozent. Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten sind Vergangenheit.

2869 Interviews haben die Marktforscher geführt und dabei unter anderem erfahren, dass vor allem jüngere Kundenkreise wegbrechen. Interessenten unter 30 Jahren scheuen die mittlerweile immens gestiegenen Kosten bei der Anschaffung, bei manch einem Mobil hat sich der Listenpreis in den vergangenen fünf Jahren beinahe verdoppelt. Dazu kommen steigende Zinsen, die eine Vollfinanzierung manchem unmöglich machen. Schließlich werden nur 31 Prozent der neuen Wohnwagen und 40 Prozent der Reisemobile bar bezahlt, 31 und 32 Prozent haben das Freizeitfahrzeug bisher teilweise, 21 und 15 Prozent voll finanziert. Nur fünf Prozent der Kunden haben sich für Leasing entschieden.

Kraftstoffverbrauch ist ein Kaufkriterium

Die Entscheidungskriterien beim Kauf sind unterschiedlich. Abgesehen von persönlichen Geschmack bei Einrichtung und Ausstattung spielt für 43 Prozent der Kunden der Treibstoffverbrauch eine Rolle. Für mehr Autarkie, also etwa die Ausrüstung mit einer Solaranlage, interessieren sich 40 Prozent. Für 37 Prozent ist das Stauraumangebot von entscheidender Bedeutung, und 36 Prozent der Befragten wünschen sich eine hohe Alltagstauglichkeit. Das erklärt auch den hohen Anteil von kompakten Campingbussen und ausgebauten Kastenwagen. Nach dem Kauf, der vorzugsweise bei einem spezialisierten Händlerbetrieb erfolgt, fallen weitere Kosten für Unterhalt und Service an. Die liegen bei einem Caravan bei durchschnittlich 758 Euro im Jahr, 1103 Euro machen sie bei Reisemobilen aus.

Das Urlaubsverhalten von Caravan-Urlaubern und Reisemobil-Touristen ist unterdessen recht unterschiedlich. Mit dem Wohnwagen sind die Camper durchschnittlich 55 Tage im Jahr unterwegs und legen dabei rund 4350 Kilometer zurück, Reisemobilfahrer sind 64 Tage auf Tour und 11.190 Kilometer auf Achse Die beliebtesten Urlaubsländer in Europa sind Italien, wo zwölf Prozent der Caravaning-Reisen hinführen, gefolgt von Frankreich mit acht Prozent. Kroatien liegt nicht zuletzt aufgrund des erheblichen Preisanstiegs im einst günstigen Urlaubsland nur noch bei sechs Prozent, stark aufgeholt hat Skandinavien und ist für fünf Prozent das attraktivste Reiseziel. Pincamp, die Caravaning-Plattform des ADAC, verzeichnete für Schweden ein Buchungsplus von unglaublichen 280 Prozent, was auch auf das gemäßigte Klima im Norden zurückzuführen ist, da viele Camper die mediterranen Gluttemperaturen am Tag und kaum abkühlende Tropennächte als nicht sehr erholsam empfinden.

In Deutschland, wo 37 Prozent der mobilen Urlauber ihre Ferien bevorzugt verbringen, teilen sich die Hauptströme der Caravaner zwischen dem Norden und dem Süden auf. 20 Prozent nennen Bayern als ihr Traumziel, 16 Prozent zieht es nach Mecklenburg-Vorpommern und 13 Prozent nach Schleswig-Holstein. Als unangenehm empfindet ein Viertel der Camper das ungenügende Stellplatz-Angebot. Jedes vierte Mal kommen sie wegen Überfüllung nicht auf ihrem Wunschplatz unter.

Die Marktforscher erkennen also erste Bremsspuren bei der Nachfrage. Zwar entspannen sich die Lieferzeiten aufgrund eines vielfältigeren Chassis-Angebotes, doch überwiegen bei vielen immer mehr Bedenken angesichts ihrer künftigen finanziellen Situation. Ein Indikator dafür ist die gute Ausstattung der Händler, deren Höfe mittlerweile wieder gut gefüllt sind. Für die Kunden bedeutet das: Auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf (25.8.–4.9.) dürfte es mehr Schnäppchen geben, verhandeln lohnt wieder und wird nicht wie in den vergangenen Jahren vom Käufer mit mitleidigem Lächeln vom Tisch gewischt. (cen/mk)

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