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Praxistest Kumpan 54 Ignite: C-3PO auf zwei Rädern

Kumpan – das hätte auch einer Marke oder einem Automodell aus dem ehemaligen Ostblock gut als Name gestanden oder einem Produkt aus dem Reich der Mitte. Doch mitnichten. Der gleichnamige Roller kommt aus Remagen, ist Made in Germany und will sich mit seiner etwas altmodischen Bezeichnung als Kumpel und Freund für den Alltag verstanden wissen. Keineswegs freundlich gesonnen war ihm vor zweieinhalb Jahren der Roller-Gigant Piaggio – kam den Italienern das Gefährt aus Deutschland doch verdächtig bekannt vor.

Die auf der EICMA 2018 ausgestellten Kumpan wurden als Vespa-Designkopie flugs von der berühmten Motorradmesse verbannt. Der letzte Rechtsstreit fiel allerdings zugunsten der Deutschen aus. Ein Roller sehe nun einmal konzeptionell bedingt im Zweifelsfall der Urmutter aller Scooter ähnlich, urteilte das Europäische Amt für Geistiges Eigentum und gestand dem Kumpan genug eigenständige Merkmale zu. Und so darf der Roller aus Remagen weiterhin rollen.

Zweirad-Kenner laufen wohl nicht Gefahr, in dem Kumpan eine Vespa zu sehen. Sicher, die Grundform ist extrem ähnlich, aber das hat man anderswo so oder so ähnlich auch schon gesehen. Und vor allem werkelt vorne eine Teleskopgabel, und der Scheinwerfer ist alles andere als Bella Italia, sondern erinnert eher an die Augen des Roboters C-3PO aus dem Star-Wars-Universum (wir finden’s cool). Und mal ehrlich, eine so schmucklos-kantige Hinterradschwinge wie aus der Dorfschmiede hätte sich Piaggio nie getraut. Nicht falsch verstehen: Der Kumpan kann in Sachen Fahrwerk überzeugen.

Technisch ganz vorne mit dabei

Doch genug des Vergleichs. Der Kumpan 54 Ignite ist ein stattlicher Roller, E-Roller, um genauer zu sein. Niedlich und schmal ist seine Sache nicht, und die angenehm breite Sitzbank sorgt im Stand für einen relativ weiten Schrittbogen. Zudem ist der Kumpel aus Remagen ein echter 100-km/h-Roller. Da schauen die Vespa Elettrica 70 (= Höchstgeschwindigkeit) und die Govecs Schwalbe (max. 90 km/h) in die Röhre.

So vergangenheitsbehaftet Markenname und Design sein mögen, technisch spielt der Kumpan ganz vorne mit. Das digitale Cockpit ist in Teilen als Touchscreen ausgelegt, etwa für die Entriegelung der Sitzbank und das Öffnen des (bei uns nicht montierten) elektrisch zu betätigenden Topcases. An weiteren Dingen herrscht kein Mangel: Es gibt vier Fahrmodi (Eco, Comfort, Sport, Rain), Schleppmoment und Rekuperationsstärke sind stufenweise einstellbar und selbst die Lautstärke des Blinkerklickens darf den individuellen Vorlieben angepasst werden. Dass auch ein Tempomat mit an Bord ist, der durch einfachen Tastendruck die gerade gefahrene Geschwindigkeit hält, überrascht da nicht mehr. Eine Kumpan-App gibt es natürlich auch, die die Verwendung des Smartphones als Fahrzeugschlüssel sowie verschiedene Tracking- und Analysefunktionen einschließlich Servicepartner-Suche erlaubt.

Ein großer Vorteil des 54 Ignite gegenüber den beiden bereits genannten Wettbewerbern ist sein Wechsel-Akkusystem. Zwei sind Standard, ein dritter kann dazugekauft werden. Das macht bei voller Bestückung in der Praxis unter guten Bedingungen rund 80 Kilometer Reichweite und entspricht durchaus den Herstellerangaben, die von bis zu 80 und im Optimalfall von bis zu 110 Kilometer mit drei Batteriepacks ausgehen. Uns zeigte der Kumpan bei niedrigen einstelligen Temperaturen beispielsweise bei 84 Prozent Batteriekapazität 60 Kilometer Reichweite an, bei 62 Prozent 50 Kilometer und und bei 35 Prozent noch 20 Kilometer an. Nach unserer letzten Fahrt prognostizierte uns der 54 Ignite einen Radius von 90 Kilometern bei 96 Prozent Stromreserve.

Das modulare Konzept erlaubt eine gewisse Flexibilität: Für die Fahrt zum Supermarkt um die Ecke tut’s gegebenenfalls auch ein Akku, während Batterie Nummer zwei oder drei bereits oben in der Wohnung im dritten Stock an der Steckdose hängt. Einzeln aufgeladen gewinnt der Akku in zwei Stunden über ein Drittel seiner Energie zurück. Alternativ kann der Kumpan direkt ans Kabel. Das bringt in einer Stunde bei voller Batteriebestückung etwa zehn Prozent Energie in jeden Akku zurück. Der Stromanschluss steckt hinter der kleinen Klappe in der Front. Nebenbei bemerkt: Liebe Remagener, der Deckel dürfte ruhig eine Spur hochwertiger wirken, schließlich ist da Euer Markenzeichen (der Buchstabe K) drauf.

Tadelloses Handling

In der Fahrstufe Eco wird die maximale Geschwindigkeit auf 60 km/h begrenzt, Comfort und Rain spielen bis 85 km/h mit, und Sport macht dann auch schon unterhalb der möglichen 100 km/h mächtig Spaß. Uns reichte in der Regel die Komforteinstellung. Das ist für diese Fahrzeugklasse ausreichend, ohne dass man sich auf der Landstraße gleich verloren fühlt, und schneller waren die alten 80-Kubik-Kleinkrafträder früher auch nicht unterwegs. Für den Zwischenspurt kann dann ja gegebenenfalls „Sport“ aufgerufen werden – vorausgesetzt die Bedienung wurde verinnerlicht. Mal ging bei uns das Durchscrollen der Fahrstufen per einfachem Druck auf die „Enter“-Taste am rechten Lenkerende, mal wurde dadurch erst noch das Untermenü aufgerufen. Offenbar hängt das mit der gerade aktuellen Displayeinstellung zusammen. Und etwas dickere Handschuhe erschweren die Bedienung sowohl der Touchscreen-Funktionen als auch der Menü-Tasten leider zusätzlich.

Trotz des relativ hohen Schwerpunkts lässt der Ignite beim Handling nichts anbrennen. Agilität und Kurvenstabilität sind gut, die Bremsen ordentlich. Der Roller ist hervorragend ausbalanciert, glänzt aber nicht beim Federungskomfort. Für den Alltag gibt es das übliche Handschuhfach hinter der Frontverkleidung, einen Gepäckhaken und noch ein kleines Fach unter der Sitzbank, wo die Akkus den meisten Platz einnehmen. Im Mitteltunnel überrascht der Kumpan dann noch mit einem unter einer Klappe steckenden Cupholder!

Dass der Kumpan aus europäischen Landen stammt, zeigt auch der Preis. Das Spitzenmodell aus Remagen kostet 6999 Euro und bewegt sich damit auf dem Niveau der E-Schwalbe, die 70er-Vespa ist rund 300 Euro günstiger. Wer allerdings das volle Potenzial des Ignite ausschöpfen möchte und sich noch den dritten Akku zulegen möchte, der muss 1189 Euro extra bezahlen. (ampnet/jri)

Daten Kumpan 54 Ignite

Motor: elektrisch
Drehmoment: k. A.
Batterie: Lithiumionen, 1,5 kWh (2 Stück)
Spitzenleistung: 7 kW / 9,5 PS
Normreichweite: 80 km (3 Akkus)
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Sitzhöhe: 800 mm
Gewicht: 82 kg / 112 kg (3 Akkus)
Zuladung: Max. 180 kg
CO2-Emissionen: 0 mg/km
Bereifung: 12 Zoll
Preis: 6999 Euro
Preis Testfahrzeug: 8188 Euro

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Kumpan 54 Ignite.

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Kumpan 54 Ignite: Wechsel-Akku.

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