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Volkswagen will beim Tourenwagen-Weltcup ein Wörtchen mitreden

Ein Team mit vier deutschen Autos – alles 340 PS starke Volkswagen Golf GTI TCR – und ein einziger deutscher Rennfahrer – Benjamin Leuchter – mischen 2019 bei der WTCR mit, dem FIA Tourenwagen Weltcup. Damit ist der gebürtige Duisburger Leuchter in die oberste Kategorie seiner Motorsportdisziplin aufgestiegen. Mehr geht für einen Tourenwagen-Fahrer nicht. Der VW-Pilot kennt sein Arbeitsgerät bestens: Er vom ersten Tag an in das Entwicklungsprogramm des neuen Golf GTI TCR sowohl in der Straßen- wie der Rennversion eingebunden.

Bei den ersten drei Läufen im marokkanischen Marrakesch Anfang April konnten sich allerdings weder Leuchter noch seine drei VW-Kollegen Mehdi Bennani, Rob Huff und Johan Kristoffersson, mit denen zusammen er in zwei verschiedenen Teams von Sébastien Loeb Racing um Punkte kämpft, besonders mit Ruhm bekleckern und jagten meist das Feld vor sich her. Mit mageren neun Zählern auf dem Konto reisten sie bei der zweiten Veranstaltung an, die nahe Budapest am vergangenen Wochenende auf dem Hungaroring über die Bühne ging.

Dort allerdings ging es zumindest etwas bergauf. Huff fuhr jeweils einen siebten Platz in den Rennen zwei und drei am Sonntag nach Hause, zudem belegte der Brite im ersten Qualifying Platz acht und nahm damit insgesamt 20 Zähler aus dem Ungarn-Wochenende mit. Teamkollege Johan Kristoffersson platzierte sich im ersten Rennen auf Rang acht, was acht Punkten in der Fahrerwertung für den Schweden entsprach. Weitere Punkte sammelten auch der Marokkaner Mehdi Bennani und Benjamin Leuchter.
Um das zu verstehen, ist ein Blick in das neue Reglement der WTCR nützlich. Statt Tourenwagen-Weltmeisterschaft heißt es seit dem vergangenen Jahr Tourenwagen-Weltcup. Geändert gegenüber früher hat sich bis auf das Reglement, das besonders darauf ausgerichtet ist, die Kosten nicht ins Uferlose treiben zu lassen, wenig. Wer am Ende der Saison mit zehn Wettbewerbs-Wochenenden und insgesamt 30 Rennen die meisten Punkte gesammelt hat – was für Piloten ebenso gilt wie für die Teams – bekommt den Weltcup-Titel verliehen.

Da sich das Konzept auf Kundensport für private Rennställe konzentriert, sind keine Hersteller-Einschreibungen gestattet. 14 Teams mit zusammen 27 Fahrern kämpften beim zweiten Saisonrennen auf dem Hungaroring um die Punkte, die nicht nur in den drei Wertungsläufen (von Platz eins bis Platz 15), sondern zusätzlich im ersten und im zweiten Qualifying Punkte für die fünf schnellsten Fahrer. Außerdem dürfen pro Marke (Alfa Romeo, Audi, Cupra, Honda, Hyundai, Volkswagen und Neuzugang Lynk & Co) maximal vier Autos und pro Team nur zwei zum Einsatz kommen. Eine Reihe weiterer Vorschriften sollen ebenfalls die Kosten im Rahmen halten. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Zahl der Mechaniker pro Auto auf zehn begrenzt ist. Außerdem sind während der Saison Testfahrten auf den WTCR-Strecken verboten.

Experten halten das diesjährige Starterfeld für das bislang stärkste Aufgebot. Sieben der 26 permanenten Fahrer haben bereits wichtige FIA-Titel gewonnen. Wie eng sie mit ihrem Können beieinanderliegen, zeigen ein paar Zahlen aus dem Qualifying in Ungarn. Dort belegte Lokalmatador Norbert Michelisz (Hyundai i30 TCR) mit einem Vorsprung von acht Tausendstel Sekunden die Pole-Position in Qualifikation 2. Nur 0,04 Sekunden trennten das führende Trio in der dramatischem Q 3.

Für die Zuschauer bedeutet diese Dichte der Talente fortwährende Spannung. Gekämpft wird auf der Strecke mit häufigem Blech-, Stoßstangen- und Karosserie-Kontakt, Ausreißer wie sie bei anderen Motorsport-Wettbewerben an der Tagesordnung sind, kommen so gut wie nicht vor. Das liegt auch daran, dass sämtliche Autos ähnlich leistungsfähig sind und Ungleichgewichte ausgeglichen werden, damit sie eng beieinander liegen. Wenn auch Technik und Leistung der WTCR-Renner die ihrer straßentauglichen Brüder und Schwestern in den Schatten stellt, so verrät zumindest die Karosserie der jeweiligen Wettbewerber, wo sie herkommen.

Dass Benjamin Leuchter, der einzige Deutsche im Starterfeld, in den ersten sechs Rennen nur wenige Punkte (vier), jedoch umso mehr an Erfahrung gewann, entmutigt den Newcomer in der Königsklasse des Tourenwagensports keineswegs. Er blickt den kommenden Herausforderungen geradezu euphorisch entgegen. „Mit dem Weltcup geht für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung“, sagt der 31-Jährige. „Ich freue mich riesig darauf, mit Volkswagen in der WTCR an den Start gehen zu dürfen, und ich werde alles geben.“ Neben seinem Engagement als Fahrer fungiert Leuchter bereits als Markenbotschafter und Motorsport-Repräsentant von Volkswagen und als Instruktor im Team der Volkswagen Driving Experience. Er kennt den Golf GTI TCR seit dem ersten Tag. „Ich war schon 2015 ins Entwicklungsprogramm eingebunden und habe seitdem neben zahlreichen Renneinsätzen jeden Wintertest für die Weiterentwicklung mitgemacht“, so Leuchter.

Viele seiner Erfolge im Motorsport sind eng mit VW verbunden: In der ADAC TCR Germany 2016 fuhr Leuchter im Golf GTI TCR auf Gesamtrang fünf und war damit bester Volkswagen-Pilot. Im selben Jahr stellte er im Golf GTI Clubsport S auf der Nürburgring-Nordschleife einen neuen Rundenrekord für frontangetriebene Serienfahrzeuge auf. Im Jahr 2017 gewann er die TCR-Klasse in der VLN-Langstreckenmeisterschaft und beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. In der vergangenen Saison war Leuchter als Gesamtachter erneut bester Volkswagen-Fahrer in der ADAC TCR Germany und stellte seine Klasse unter anderem mit dem Gesamtsieg in der TCE-Kategorie und dem Sieg in der TCR-Klasse beim 24-Stunden-Rennen in Dubai unter Beweis.

Sein Arbeitsgerät in diesem Jahr, der Golf GTI TCR, zählt zu den erfolgreichsten Renntourenwagen der Gegenwart. Seit 2016 hat Volkswagen Motorsport mehr als 100 Exemplare des Rennwagens in Kleinserie und Handarbeit aufgebaut und an Kundenteams übergeben. Der Preis beträgt rennfertig ab 95 000 Euro plus Mehrwertsteuer.

Doch auch als für den Straßenverkehr angepasste Version hat das Auto eine große Fan-Gemeinde. So ist der Golf GTI der weltweit erfolgreichste Kompaktsportwagen. Nahezu 2,3 Millionen Exemplare wurden bislang über sieben Generationen produziert und verkauft. Von Generation zu Generation wurde er immer wieder präzisiert und perfektioniert. Zurzeit glänzt VW mit der jüngsten Ausgabe, dem 290 PS starken und optional bis zu 260 km/h schnellen Golf GTI TCR – eine aus dem Motorsport abgeleitete Straßenversion des gleichnamigen Rennwagens und zweifachen Gesamtsiegers der internationalen TCR-Rennserie.

Im vergangenen Jahr war Leuchter noch in der TCR Germany am Start. Nun heißt es an den Rennwochenenden Macau statt Adenau oder Suzuka statt Sachsenring. Beim Gedanken an die Saison 2019 sagt Leuchter mit einem breiten Lächeln: „Ich bin unglaublich dankbar, dabei zu sein.“

Abgerechnet wird am Sonntag, dem 15. Dezember nach dem letzten Rennen in Malaysia auf der Rennstrecke von Sepang. Bis dahin gibt es noch Gelegenheit bei 24 Rennen und den dazu gehörigen Qualifikationsrunden Punkte zu sammeln. Nicht zuletzt auch für Benjamin Leuchter. (ampnet/hrr)

Daten VW Golf GTI TCR (Straßenversion)

Motor: 2.0 TSI / Vierzylinder-Turbo mit Otto-Partikelfilter
Getriebe: 7-Gang-DSG
Antrieb: Vorderachse mit Achssperre
Maximale Leistung: 213 kW / 290 PS bei 5.400 bis 6.400 U/min
Maximales Drehmoment: 380 Nm bei 1.950 bis 5.300 U/min
Höchstgeschwindigkeit (serienmäßig): 250 km/h
Höchstgeschwindigkeit (optional unbegrenzt): 260 km/h
Von 0 bis 80 km/h: 4,1 Sek.
Von 0 auf 100 km/h: 5,6 Sek.
Verbrauch kombiniert (NEFZ): 6,7 l/100km
Leergewicht: 1410 kg
Preis: 40 275 Euro


Daten VW Golf GTI TCR (Rennversion)

Motor: 2.0 TSI / Vierzylinder-Turbo mit Ladeluftkühlung
Getriebe: Sequenzielles 6-Gang-Renngetriebe (optional DSG),
Schaltwippen am Lenkrad
Antrieb: Frontantrieb mit Lamellendifferenzial
Maximale Leistung: 250 kW (340 PS) bei 6.200 U/min
Maximales Drehmoment: 410 Nm bei 2.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: bis ca. 258 km/h
Von 0 auf 100 km/h: 5,2 Sek
Leergewicht: 1285 kg (inkl. Fahrer)
Preis: ab 113 000 Euro (inkl. Mwst.)

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WTCR: Benjamin Leuchter im VW Golf GTI TCR.

WTCR: Benjamin Leuchter im VW Golf GTI TCR.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Volkswagen

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WTCR: Benjamin Leuchter im VW Golf GTI TCR.

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WTCR-Rennen auf dem Hungaroring.

WTCR-Rennen auf dem Hungaroring.

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WTCR-Rennen auf dem Hungaroring.

WTCR-Rennen auf dem Hungaroring.

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Sie legen sich im WTCR für Volkswagen ins Zeug (von links): Benjamin Leuchter, Johan Kristoffersson, Mehdi Bennani und Rob Huff.

Sie legen sich im WTCR für Volkswagen ins Zeug (von links): Benjamin Leuchter, Johan Kristoffersson, Mehdi Bennani und Rob Huff.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Volkswagen

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Die vier VW Golf GTI TCR der WTCR.

Die vier VW Golf GTI TCR der WTCR.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Volkswagen

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WTCR-Fahrer Benjamin Leuchter.

WTCR-Fahrer Benjamin Leuchter.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Volkswagen

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WTCR-Fahrer Benjamin Leuchter.

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