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Exklusiv: Kommentar: Ziemlich durchgeknallt

Mal ehrlich: Wäre es nicht besser, wenn einige von uns den Planeten wechseln würden? Gemeint sind die Hysteriker und auch jene vermeintlich Allwissenden, die vor allem mit Hilfe von mehr oder weniger wissenschaftlichen Studien voraussagen, dass der Untergang von Mutter Erde unmittelbar bevorstehe – sofern dem Tun der Menschheit nicht endlich Einhalt geboten würde.

Einen solchen Trip in die unendlichen Weiten des Weltraums wünscht man zum Beispiel Verena Brunschweiger, die jüngst für einen vorläufigen Höhepunkt in der inzwischen mit abstrusen Thesen befrachteten Umweltschutzdebatte um Kohlendioxide (CO2) oder Stickstoffdioxide (NO2/NOX) gesorgt hat. Es geht um ihr Buch „Kinderfrei nicht kinderlos“. Darin zitiert die promovierte 38-Jährige, die passender Weise als gymnasiale Studienrätin für Deutsch, Englisch und Ethik in Regensburg tätig ist, eine bislang nicht aufgefallene Studie der University of British Columbia in Vancouver, wonach man jährlich 58,6 Tonnen CO2 einsparen könne, „wenn wir nur ein Kind weniger in die Welt setzen“ würden. Bei einem transatlantischen Flug dagegen fielen nur 1,6 Tonnen CO2 an. Und: „Ein Kind ist das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann.“

Im Interview mit dem Magazin „Focus“ spitzte die bekennende radikale Feministin zu: „Ein Kind reicht vollkommen, mehr ist verantwortungslos. Wenn wir die Bevölkerungszahlen global schrumpfen könnten, dann wäre das für unseren Planeten ganz wunderbar. Für Deutschland zum Beispiel wäre eine Bevölkerung von circa 38 Millionen optimal, was die Biokapazität bzw. den ökologischen Fußabdruck betrifft.“ Zudem fordert sie, dass jede Frau, die der Umwelt zuliebe kein Kind bekommt, mit 50 Jahren 50 000 Euro erhalten solle.

Wer diese Kraftausdrücke hört, wird sich sogleich fragen, was die Dame zu solchen Ansichten treibt? Wahrscheinlich ist es ganz einfach. Die Lehrerin, die in Talkshows wie dem „Nachtcafé“ des SWR vom Abend des 22. Februar ziemlich profilneurotisch rüberkam, nutzt eine simple PR-Mechanik: Sie bürstet kalkuliert gegen den Strich, provoziert geplant und setzt auf das Empörungspotential ihrer gesellschaftlichen Brachial-Thesen (Motto: „Ich muss lesen, was die schreibt"), um dadurch die Auflage ihres Buches in die Höhe zu treiben. Und dass ihre Suche nach Aufmerksamkeit funktioniert, sieht man am Niederschlag in den Medien – und auch an diesem Artikel.

Frau Brunschweiger ist nicht allein. Ohne Zweifel ist Umweltschutz ein mindestens so hohes Gut wie das Thema Gesundheit. Aber wundern darf man sich schon, dass der Markt für die dazu passende Forschung offenbar grenzenlos zu sein scheint. Denn andauernd werden neue Ergebnisse zu dem Thema publiziert. Die erstaunliche Häufung dürfte nicht zuletzt auch damit zusammenhängen, dass Papa Staat die Veröffentlichung in vielen Fällen finanziell fördert. Unabhängig davon, ob solche Studien seriös und glaubwürdig sind.

Entsprechend groß war das Geschrei vor ein paar Wochen, als 106 Lungenärzte mit ihrer Haltung zum Problem der Stichoxide im Dieselabgas öffentlich auf Konfrontation zur vorherrschenden Lehrmeinung gingen. Diese Mediziner waren und sind der Ansicht, dass noch kein Deutscher wegen einer zu hohen Stickoxid-Konzentration auf unseren Straßen gestorben ist. Daraufhin gaben eifrige Umweltbewegte vor, einen Rechenfehler in den Aussagen jener Ärzte entdeckt zu haben. Man lachte über Professor Dieter Köhler, der die Gruppe der Separatisten unter den Lungenärzten anführte und seinen Kopf öffentlich hinhielt. Reaktionsschnell legte der Verband der Pneumologen mit einer telefonischen Blitzumfrage unter den Mitgliedern nach. Ergebnis: Eine Mehrheit stellte sich gegen Köhlers Abtrünnige.

Was war passiert? Köhler: „Ich habe mich nicht verrechnet, sondern lediglich einen falschen Kondensatgehalt (Rauchablagerung/Feinstaubdosis, d. Red.) für eine Zigarette angenommen." Er habe nicht gewusst, dass nach einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2004 diese Feinstaubdosis pro Zigarette nur noch zehn Milligramm betragen dürfe, während er von zwölf Milligramm ausgegangen sei. Mit der korrigierten Angabe macht der Professor, der von 2005 bis 2007 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) war, nun folgende Rechnung auf: Ein Nichtraucher, der 80 Jahre lang Luft mit dem zuässigen Grenwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter einatmet, kommt in 80 Jahren auf 13,1 Gramm Feinstaubablagerung in seiner Lunge. Ein Raucher dagegen nimmt bei 20 Zigaretten täglich (eine Schachtel) mit den zugelassenen zehn Milligramm Kondensat pro Zigarette 200 Milligramm oder 0,2 Gramm pro Tag auf. Damit lagert sich in der Lunge eines Rauchers, sofern er 20 Glimmstengel pro Tag pafft, binnen 65 Tagen die gleiche Menge an Feinstaub ab, nämlich 13 Gramm, die ein 80jähriger Nichtraucher in 80 Jahren aufnimmt.

All diese Aussagen zusammen genommen führen inzwischen zu dem Eindruck, dass es bei dem absurden Expertenstreit, dem kein Laie mehr folgen kann, längst nicht mehr um die Wahrheit geht, sondern vielmehr um Ideologie und die Durchsetzung derselben. Entweder, um die Deutungshoheit bei dem Thema zu behalten, um sie zu erlangen oder um Falsches gerade zu rücken. Augenmaß? Sachlichkeit? Distanz? Unaufgeregtheit? Oder gar die Einsicht, dass manche Studienergebnisse womöglich nur in zugespitzten Verkürzungen alarmierend sind? Alles Fehlanzeige! Stattdessen dominieren Hysterie und willfährige Glaubensbereitschaft.

Kein Wunder, dass Opponenten dieser Klima-Kleriker wie Köhler bei ihrer Absicht, den unsachlichen Druck aus dem Kessel nehmen zu wollen, weitgehend Einzelkämpfer bleiben. Zu übermächtig scheint die Fraktion der Untergangswarner zu sein. Auch wenn hier und da ein anderer Fachmann Bedenken gegen den Sinn aktueller Grenzwerte anmeldet.

Zum Beispiel der Toxikologe Helmut Greim von der Technischen Universität München. Der Professor ist wie Köhler der Ansicht, dass die Diskussion um Grenzwerte mehr als grenzwertig ist. Er bestreitet die wissenschaftliche Basis des festgelegten Grenzwerts von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft im Freien. Greim war von 1992 bis 2007 Vorsitzender der so genannten MAK-Kommission, die die Luftwerte am Arbeitsplatz bewertet. MAK ist die Abkürzung für maximale Arbeitsplatzkonzentration. Und diese Werte liegen in Büros bei 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Innenraumluft, an Produktionsstätten wie in Fabriken sogar bei 950 Mikrogramm. Aus seiner Sicht haben die Epidemiologen, die die Ausbreitung von Volkskrankheiten statistisch erforschen, den Wert von 40 Mikrogramm lediglich errechnet und ihn dann zum Grenzwert erhoben. Anschließend wurde dieser der Weltgesundheitsorganisation WHO als Richtlinie empfohlen. Aber dieser Wert sei nicht plausibel. Das habe er als Experte bei der Bundestagsanhörung am 8. September 2016 deutlich gesagt.

Und Anfang September 2017 sagte Greim dem Magazin „Focus“: „Die in der Umwelt auch an dicht befahrenen Straßen gemessenen NO2-Konzentrationen sind erheblich niedriger als die Arbeitsplatzgrenzwerte.“ Man könne daher Überschreitungen der Grenzwerte im Freien nicht automatisch mit Gesundheitsschäden verbinden. Doch vermutlich dürfte es gleichgültig sein, ob in China ein Sack Reis umfällt oder ob die Professoren Köhler und Greim gegen den wissenschaftlichen Mainstream ankämpfen, sie werden schon allein deshalb nicht ernst genommen, weil sie zu wenige sind.

Und damit der Irrsinn auch bloß nicht endet, nun auch noch dies: Holzöfen, die beispielsweise Pellets (gepresste Holzabfälle) verbrennen, damit es im Wohnzimmer schön kuschelig ist, sind genauso Umweltsäue wie hübsche Kamine im Wohnraum, in denen Holzscheite lodern und knistern. Denn diese heimeligen Brennstellen, von denen man bisher glaubte, dass sie besonders umweltfreundlich sind, pusten jede Menge Feinstaub, Kohlendioxid (CO2) und sonstiges gesundheitsschädliches Zeug durch den Kamin. Das jedenfalls hat Anfang März die ZDF-Sendung „Frontal 21“ zu Tage gefördert.

Dort hieß es: „Dieselfahrzeuge sind seit zehn Jahren mit Partikelfiltern ausgestattet, Kaminöfen nicht. Dabei sind die Feinstaubpartikel aus der Holzverbrennung besonders gesundheitsschädlich, weil sie kleiner als 2,5 Mikrometer sind und tief in die Lunge eindringen können. Zudem gelangen durch den Holzrauch auch krebserregende Stoffe in die Luft….Technische Maßnahmen könnten die Feinstaubemissionen aus Holzöfen deutlich reduzieren, sie sind gesetzlich jedoch nicht vorgeschrieben. Und beim Neukauf spielen Partikelfilter und ähnliches für die Kunden nur eine untergeordnete Rolle, Optik und Leistung stehen meist im Vordergrund. Was die Umweltbilanz betrifft, halten viele Käufer das Heizen mit Holz für eine saubere Sache, weil Kaminöfen grundsätzlich die Feinstaubgrenzwerte (0,15 g/pro Kubikmeter Abgasluft) einhalten müssen. Diese werden in einer sogenannten Typprüfung bescheinigt. Frontal 21 hat die vom Hersteller angegebenen Werte in der Praxis überprüft. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ein handelsüblicher Kaminofen emittiert mehr als doppelt so viel Feinstaub als der Grenzwert vorsieht.“ Hinzu kommt noch das gefährliche Kohlenmonoxid (CO), das auch Erstickungsgas genannt wird, weil es geruchlos ist. Dessen Grenzwert liegt bei vier Gramm pro Kubikmeter Abgasluft. Soweit die Meinung von „Frontal 21“.

Bleibt unterm Strich die Frage: Wem kann man, wem soll man aus dieser offenbar durchgeknallten Sparte des Wissenschaftsbetriebs glauben? Welche Studie ist seriös, welche nur interessen- und/oder ideologiegesteuert? Antwort: Keiner weiß es. Für Lieschen Müller jedenfalls ist das ein undurchdringbares Expertendickicht mit Fachchinesisch als Sprache. Das Phänomen ist, dass am Biertisch dennoch viele mit schwafeln, trotz Minimal- oder Nullwissen. Und zu großen Teilen ist damit auch die Politik gemeint, die auf Basis dieses wackeligen wissenschaftlichen Durcheinanders dennoch Weichen stellt.

Also ist es angesichts dieser Hysterie womöglich besser, bei nächster Gelegenheit per Feststoff-Verbrennungsrakete auf den Mars zu düsen. Die Twitter-Anfrage dazu läuft bei SpaceX, dem künftigen Weltraumreisebüro des Multiunternehmers Elon Musk (@elonmusk). Das kostet zwar ein paar Milliönchen, aber was tut man nicht alles, um dieses Geplärre nicht mehr hören zu müssen und endlich wieder (unterm Astronautenhelm) durchatmen zu können? Vielleicht gibt’s in der Kapsel ja einen First-Class-Fensterplatz, den man als Vielflieger mit dem Meilenguthaben bezahlen kann. Aber bitte keinen Sessel neben Verena Brunschweiger. (ampnet/hk)

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Harald Kaiser.

Harald Kaiser.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Harald Kaiser

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