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Kommentar: Für Schadenfreude ist die Lage zu ernst

Jetzt wird es ernst. Volkswagenchef Herbert Diess treibt das Thema voran. Für die Umsetzung seiner Elektrifizierungs- und Digitalisierungsoffensive benötigt der VW-Konzern viel Geld. Sehr viel Geld. Trotz steigender Absatzzahlen werden die notwendigen Milliarden von den Kunden allein nicht zu holen sein. Deshalb ist die Rosskur programmiert.

VW hat sich eine ebenso schmerzhafte wie herausfordernde Therapie verschrieben: Stellenabbau und Verschlankung der Strukturen. Die Tatsache, dass sich die Autobosse in Stuttgart, München, Köln, Rüsselsheim und anderswo noch nicht so deutlich geäußert haben wie ihr Kollege in Wolfsburg, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in den kommenden Jahren wie nie zuvor um das Wohl und Wehe der gesamten Branche geht.
An den allbekannten und öffentlichkeitswirksamen Stammtisch-Vorwürfen wie „Das sind die doch selbst schuld“ oder „Die haben die Zukunft verschlafen“ mag sogar etwas dran sein, doch sie helfen nicht weiter. Auch für Schadenfreude ist die Lage zu Ernst.

Das Auto und die Unternehmen, die sie herstellen, sind nicht der Feind der Gesellschaft, sondern sie sichern Wohlstand und individuelle Mobilität, die wir alle so sehr schätzen. Das Auto out? Blödsinn. 2019 werden die Deutschen rund 3,4 Millionen neue Personenwagen kaufen. Das sind in etwa so viel wie in den Jahren zuvor. Die Zahlen belegen: Das Auto hat an seiner Faszination nichts verloren, und es zählt nach wie vor zu den Anschaffungen, die für den User von größtem Nutzen sind. Ob privat oder geschäftlich.
Über 800 000 Menschen arbeiten in Deutschland bei Autobauern und Zulieferern. 1,8 Millionen Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt von der Autoproduktion abhängig. In keiner anderen Volkswirtschaft der Welt hat die Automobilindustrie einen so großen Anteil an der heimischen Wertschöpfung wie in Deutschland.

Unsere Mobilität muss sich ändern, keine Frage. Sie muss sauberer und sicherer werden. Wir werden in Zukunft auch nicht alle Wege mit dem Auto zurücklegen müssen. Ob Flugtaxis, die Bundesverkehrsminister Scheuer so toll findet, eine Lösung sein werden, bleibt abzuwarten. Und dennoch ist es im individuellen und volkswirtschaftlichen Interesse, dass VW und Co. auf ihrem Weg zu Mobilitätsdienstleistern mit Angeboten, die weit über das Produkt Elektro-Auto hinausgehen, zügig und ohne Pannen vorankommen und die Gewinne machen, die im globalen Wettbewerb für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze notwendig sind. (ampnet/rs)

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Die Autostadt in Wolfsburg.

Die Autostadt in Wolfsburg.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Autostadt

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