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Exklusiv: Kommentar: Die Gunst der Stunde

Am Montag verkündete der schwedische Hersteller Volvo, Tochter des chinesischen Automobilherstellers Geely, die Sicherheitsexperten des Unternehmens hätte herausgefunden, dass „Speeding“ (auf Deutsch Rasen) immer noch unter den drei wichtigsten Unfallursachen zu finden sei. Was für eine gut terminierte Aussage in einer Zeit, in der sich Experten und solche, die es sein wollen mal wieder wegen einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf deutschen Autobahnen an die Gurgel gehen?

Zufall oder nicht – einen besseren Zeitpunkt hätten die Schweden nicht finden können. Und so tappten die meisten Medien bereitwillig in die Falle und meldeten, Volvo wolle bei seinen Autos die Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h beschränken. Wieder hatten die schwedischen Sicherheitsapostel eine Marke gesetzt, wieder übertönte das gute Image den Rest der Botschaft. Dabei wäre es auch im sichersten aller Volvo einerlei, ob der mit 180 km/h oder mit 250 km/h auf ein Hindernis prallt. Das Ergebnis wäre so oder so verheerend.

Kalkül oder Glück – ein ähnlich positives Echo erreichten die Öffentlichkeitsarbeiter der Schweden mit der Ankündigung, sie würden auf die Entwicklung neuer Dieselmotoren verzichten. Gerade deutsche Medien werteten das als weitsichtige Entscheidung in einem Umfeld, in dem der Diesel gerade gebannt wird. Der PR-Erfolg nicht nur in Deutschland war Volvo sicher, und die Konzernmutter Geely behielt die wichtigsten Volvo-Märkte fest im Blick: China und die USA. In beiden Regionen will der Markt keinen Diesel. Aus dieser Perspektive kann ein Investment in einen modernen Dieselmotor nur überflüssig aussehen.

Beabsichtigt oder nicht – die Frage stellt sich nach jedem PR-Erfolg dieser Art, der auf einer missverständlichen Formulierung beruht und sich darauf zu verlassen scheint, dass der Trend die Feinheiten übersehen lässt. Die Schweden meldeten im Sommer 2018, man werde ab 2020 nur noch Autos mit Elektroantrieben bauen. Wieder liefen die wichtigsten Medien in die Falle und meldeten, Volvo sei das erste Unternehmen, das nur noch Elektroautos anbieten werde. Gemeint war: Wenn schon keine Diesel mehr, so doch bitte alles mit allen Arten der Hybridantriebe, also mit elektrischen Antriebskomponenten für die Benziner, auch abfällig „Verbrenner“ genannt.

Nun leistet sich Volvo in der Zwischenzeit mit Polestar eine Perfomance-Marke so wie Mercedes-Benz mit AMG: alle mit leistungsgesteigerten Benzinern und Dieseln. Später soll ein rein elektrischer Tesla-Konkurrent folgen. Es wird spannend sein zu erleben, was diese Kunden zur 180 km/h-Drosselung sagen. Auch bei den Käufern der schnellen Limousinen wie dem Volvo S90 T8 mit 390 PS wird das nicht gut ankommen. Was sollen die Freunde dazu sagen, dass ein Volvo langsamer fährt als ein Fiat 500? Design und Leistung zählen immer noch zu den wichtigsten Kaufargumenten.

Aber vielleicht hat Volvo ja wieder Glück, wie vor ein paar Jahren, als sie auf Sechszylinder in ihren großen Autos verzichteten und sie dennoch als Premium bezeichneten. Dem Verkauf soll das keinen Abbruch getan haben, sagen die Schweden. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass heute schon jeder fünfte Volvo an einen Chinesen ausgeliefert wird und die lieben Vierzylinder – der Steuer wegen. (ampnet/Sm)

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Peter Schwerdtmann.

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Foto: Auto-Medienportal.Net

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