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Exklusiv: Fahrbericht Lada Vesta SW Cross: Noch nicht ganz am Ziel

Das Urteil der Passanten ist nahezu einmütig: Dieses Auto sieht gut aus. Wirkte das Design bei der Limousine immer noch ein wenig hausbacken, ist es beim Kombi im wahrsten Sinne des Wortes rundum gelungen – und beim SW Cross erst recht. Die Rede ist vom Vesta, dessen Kombiversionen für Lada-Verhältnisse erstaunlich schnell den Weg auf den deutschen Markt gefunden haben.

Lada kann Lifestyle – das ist die überraschende Feststellung beim Anblick des Vesta SW Cross. Die von Ex-Volvo-Designer Steve Mattin gezeichnete Baureihe mit den charakteristischen Sicken, die ein „X“ in der Flanke bilden, läuft in der Cross-Variante des Kombis zu hoher Form auf. Fast drei Zentimeter mehr gegenüber dem normalen SW und damit 19,6 Zentimeter Bodenfreiheit sind ein Wort. Dazu kommen die üblichen „Abenteuer“-Zutaten wie seitliche Beplankung in schwarzem Plastik und angedeuteter Unterfahrschutz hinten und vorne in Silber. Dazu spendiert Lada dem Vesta SW Cross noch einen schicken Doppelrohrauspuff und ein aufgepepptes Interieur. Im Fall unseres Testwagens gab es noch 17-Zoll-Leichtmetallfelgen extra.

Der Innenraum empfängt Fahrer und Mitfahrer in der höchsten der drei Ausstattungsstufen (Standard, Comfort, Luxus) bei schwarzem Grundton mit vielen orangen Akzenten einschließlich der Kunstledereinsätze an den Sitzen und Ziernähte. Passend dazu abgestimmt ist die Instrumentenskalierung. Die etwas eigenwillig gemusterten Blenden fallen dabei in dem neuen Farbton deutlich ansehnlicher aus als in dem uns bislang bekannten Grau. Die Oberfläche des Cockpits täuscht eine Weichheit vor, ist aber aus hartem Kunststoff. Dennoch fällt das Ambiente einigermaßen ansprechend aus, gibt es doch auch etwas Klavierlack und sogar verchromte Türöffner. Und an Ausstattung mangelt es ebenfalls nicht. Es gibt eine Mittelarmlehne mit kleinem Fach darunter, einen Aux- und zwei USB-Anschlüsse (einer hinten), sinnigerweise vor und nicht hinter dem Schalthebel platzierte Cupholder sowie eine dreistufige Sitzheizung auch für die hinteren äußeren Plätze (!). Darüber hinaus sind eine ordentlich auflösende Rückfahrkamera mit Hilfslinien und eine Frontscheibenheizung mit an Bord. Im Handschuhfachdeckel finden sich Klammern für Kärtchen oder Münzen und eine Becherablage.

Das serienmäßige Infotainmentsystem (außer Basisversion) russischer Herkunft geht mit Bluetooth und SD-Schlitz in Ordnung, das den Fahrer zum Start nach ein paar kyrillischen Buchstaben mit „Sehr geehrte Benutzer“ begrüßt und die obligatorischen Warnhinweise gibt. Das Navigationssystem arbeitet recht ordentlich, allerdings muss man bei den Feineinstellungen vorsichtig sein. Sonst kann es schnell passieren, dass für eine Strecke von 150 Kilometern eine Fahrdauer von über fünf Stunden angegeben wird – denn neben unbefestigten Straßen kennen russische Navigationssysteme zum Beispiel auch „Hofdurchfahrten“ als Routenoption. Und mit der hin und wieder auftauchenden Anzeige von auf deutschen Landstraßen unüblichen Tempo 90 kann man leben.

Hinter der weit und hoch öffnenden Heckklappe mit modisch schräg stehender Scheibe verbirgt sich ein 480 Liter großer Kofferraum, der sich auf 825 Liter erweitern lässt (gemessen bis Fensterunterkante, Angaben zum Maximalvolumen hat Lada nicht vorrätig). Da die Sitzflächen fest montiert sind, entsteht nach dem Umklappen der geteilten Rückenlehnen zwar eine leicht ansteigende, aber immerhin 1,70 Meter lange Ladefläche, die bei ganz nach vorn gerücktem Beifahrersitz noch einmal um über zehn Zentimeter wächst. Hinten links findet sich noch ein recht großes seitliches Extrafach mit Gepäcknetz und Verzurrgurt sowie eine kleine Ablage. Unter dem zweigeteilten Boden des Gepäckabteils sind ebenfalls noch ein paar Fächer vorhanden. Apropos Platz: Trotz der trendig abfallenden hinteren Dachlinie gibt es im Fond ausreichend Kopffreiheit. Ohnehin überrascht das Angebot auf den hinteren Plätzen. Die Beinfreiheit ist mehr als ausreichend und die Polster bieten sehr viel Oberschenkelauflage. Dennoch gibt sich Lada eine Blöße im Innenraum: Hinten fehlen Airbags (vorne gibt es vier).

Der mit einem Fünf-Gang-Getriebe gekoppelte 1,6-Liter-Motor aus eigenem Hause ist ein turboloser Einspritzer und verlangt entsprechende Umgewöhnung. Hier spielt Drehzahl und nicht Drehmoment die entscheidende Rolle. Erst ab 2000 Umdrehungen in der Minute, besser noch 2500 U/min, versprüht der Lada Vesta so etwas wie einen Hauch Temperament. Die über zwölf Sekunden für den Standardsprint und die Topspeed von 180 km/h sprechen eine deutliche Sprache. Da ist es gut, dass die Schaltempfehlung „intelligent“ ausgelegt ist: Bei gleichbleibendem Gasfuß wird schneller hochschalten angezeigt als beim Beschleunigen, wo es beim Kickdown selbst bis kurz vor 140 km/h auf der Autobahn noch passieren kann, dass der vierte statt der fünfte Gang empfohlen wird. Die von uns ermittelten Teilverbräuche von 7,2 bis 7,5 Litern je 100 Kilometer sind angesichts eines Normverbrauchs von 6,9 Litern aller Ehre wert.

Den Vortrieb untermalt das Triebwerk mit einem leicht brummigen Unterton, der aber auch bei höheren Geschwindigkeiten nicht zu aufdringlich wird. Auch bei Höchstgeschwindigkeit bleibt der Vesta spurtreu. Die Lenkung könnte deutlicher auf europäische Geschmäcker zugeschnitten sein, das heißt etwas direkter ausfallen. Das Fahrwerk ist erfreulich komfortabel, neigt dafür aber leider auch bei Richtungswechseln zu spürbarer Schlagseite. Ergonomisch passt ansonsten alles gut und die einfache Tempomatbedienung ist beispielhaft.

Keine Frage, ein Lada im gefälligen Lifestyle-Look ist schon eine echte Überraschung. Das Platzangebot ist großzügig, die Variabilität ausreichend, und die Verarbeitung geht in Ordnung. Sympathiepunkte kosten der etwas müde Motor und die fehlenden hinteren Airbags.

Noch ist Lada nicht ganz am Ziel. Schon die Limousine zeigte im vergangenen Jahr, dass das einst konkurrenzlose Image als Billigheimer aus dem Osten einer etwas selbstbewussteren Preisgestaltung Platz gemacht hat. Mit 15 990 Euro für die Basisversion des SW orientiert sich die Renault-Tochter genau am Fiat Tipo Kombi. Der Aufschlag von nur 1300 Euro für die Topausstattung Luxus ist da zwar ein gutes Angebot, der Preis an sich müsste aber klarer nach unten zeigen, um dem neuen Modell echte Marktchancen einräumen zu können. So verkaufte Lada in den ersten fünf Monaten nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 161 Vesta. Der schlechter ausgestattete und ältere, aber eben auch deutlich günstigere Lada Granta kam auf ein Viertel mehr. (ampnet/jri)

Daten Lada Vesta SW Cross Luxus

Länge x Breite x Höhe (in m): 4,42 x 1,79 x 1,54
Radstand (m): 2,64
Motor: R4, 1596 ccm
Leistung: 78 kW / 106 PS bei 5800 U/min
Max. Drehmoment: 148 Nm bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 12,8 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 6,9 Liter
CO2-Emissionen: 157 g/km
Effizienzklasse: E (Euro 6b)
Leergewicht / Zuladung: mind. 1330 kg / max. 400 kg
Kofferraumvolumen. 480–825 Liter (Fensterunterkante)
Max. Anhängelast: 900 kg
Bodenfreiheit: 196 mm
Bereifung: 205/50 R17 (Testwagen)
Preis: 17 290 Euro

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