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Fahrrad-Typenkunde (3): Über Stock und Stein

Das Mountainbike hat in seiner 40-jährigen Geschichte fast jeder Fahrradgattung Impulse gegeben und der Branche einen riesigen Aufschwung beschert. Es wird als Technikwunder bestaunt und als Alleskönner geliebt, dabei aber nicht immer seiner wahren Bestimmung zugeführt – viele Mountainbikes sind in unterschiedlichen Umbaustufen als Stadträder unterwegs. Mittlerweile hat sich die Grundgattung in immer feinere Kategorien aufgesplittert.

Ein Mountainbike (MTB) verfügt über breite, grobstollige Bereifung, ist üblicherweise mit einer Federgabel ausgestattet oder gar vollgefedert und von robuster Machart. Aufgabe der Federung ist weniger der Komfort, sondern vielmehr auch in anspruchsvollen Geländepassagen stets für Traktion zu sorgen. Als Rahmenmaterial sind Aluminium und Carbon am häufigsten anzutreffen, aber auch Stahl und Titan haben nach wie vor ihre Fans, wie der Pressedienst Fahrrad weiß.

Die bis in die späten 90er Jahre gängige Kombination von drei Kettenblättern an der Kurbel mit bis zu neun Ritzeln am Heck ist immer häufiger Zehn-, Elf- und mittlerweile Zwölffach-Antrieben mit meist einem oder selten zwei Kettenblättern an der Front gewichen, was die Schaltfolge einfacher und intuitiv macht. In ihrer Kapazität gewachsene Ritzelkassetten kompensieren dabei den Verlust an Übersetzungsbandbreite.

Verzögert wird am zeitgemäßen Mountainbike ausschließlich mit Scheibenbremsen. Die Breite der Lenker wuchs in den vergangenen 20 Jahren um bis zu einen viertel Meter, sie liegt heute meist zwischen 72 und 76 Zentimetern, bei Bikes fürs ganz grobe Gelände sogar bei 80 Zentimetern. Im Gegenzug wurden die Lenkervorbauten immer kürzer – von einst bis zu 150 zu heute nicht selten 35 Millimetern. Licht, Schutzbleche und Gepäckträger fehlen.

Durchgesetzt haben sich die Laufradgrößen 27,5 und 29 Zoll. Im Vergleich zu den früher üblichen 26-Zöllern bieten sie ein besseres Überrollverhalten und mehr Traktion. Laufräder mit 26 Zoll Felgendurchmesser finden sich heute vor allem an Jugend- und Einsteigerrädern sowie an Fatbikes.

Für Einsteiger

In der Basiskategorie finden sich einfache bis mittelklassige, meist nur an der Gabel gefederte Modelle („Hardtail“), die im Fachhandel ab etwa 700 Euro angeboten werden. Die Sitzposition ist eher aufrecht, die Rahmengeometrie auf guten Geradeauslauf und leichte Beherrschbarkeit ausgelegt. Der Federweg der Gabel beträgt in der Regel um 100 Millimeter. Gute Einsteigermodelle wie das „7 Sixty“ oder „Nine 60“ von Felt (je 749 Euro) wiegen um die 13 Kilogramm und verfügen bereits über eine einstellbare Federgabel sowie hydraulische Scheibenbremsen. Vollgefederte Exemplare sind in dieser Kategorie jeweils mindestens ein Drittel teurer. Die günstigen Varianten haben simple Federungskonzepte, die mitunter deutliche funktionelle Nachteile aufweisen. Ein Gewicht von über 15 Kilogramm ist dabei keine Seltenheit.

Für Experten

Darüber rangieren die Klassifizierungen Cross-Country, Race und Marathon. Hier finden sich Bikes für anspruchsvollere Sportler oder den Renneinsatz. MTBs dieser Klasse sind durchweg besser ausgestattet, leichter und teurer. Ihr Einsatzzweck umfasst alles vom Geländerennen bis hin zur Alpenüberquerung. Cross-Country-Fahrer bevorzugen eine sportlich-gestreckte Haltung auf dem Rad und sind gern auf leichten Hardtails unterwegs (z. T. deutlich unter zehn Kilogramm) In diesem Segment haben sich die 29-Zoll-Laufräder voll etabliert (z. B. an Haibikes „Greed HardNine“-Reihe, ab 1399 Euro).

Die Langstreckenfahrer der Disziplin Marathon dagegen schätzen den Komfort der Vollfederung („Fully“). Hier sind 90 bis 120 Millimeter Federweg an Front und Heck die Regel; durchdachte Hinterbausysteme unterbinden unerwünschte Einflüsse des Antriebs auf die Federung. (Beispiel: Felt „Edict“, ab 3199 Euro). Olympia-taugliche Geschosse mit geringstmöglichem Gewicht und optimierter Ausstattung durchbrechen leicht die Preisschallmauer von 5000 Euro.

Ein Sonderfall der Gattung Cross-Country ist die ständig wachsende Zahl an so genannten Self-Support-Formaten. Ausgehend von den Vereinigten Staaten, etabliert sich auch in Europa eine immer stärkere Szene von Abenteuerradlern, die lange Strecken im Gelände ohne äußere Unterstützung zurücklegen – sei es in Rennformaten oder während kleinerer oder großen Abenteuern des so genannten Bikepackings. Die Anforderungen an das Rad sind dabei immer dieselben: Es muss Platz genug für das Gepäck bieten, das in speziellen Taschen im Rahmen, am Lenker und der Sattelstütze verstaut wird. Zudem muss es absolut zuverlässig unter Schwerstbedingungen funktionieren. Selfsupporter setzen deshalb oft auf ungefederte Mountainbikes und nicht selten auf wartungsarme Naben- oder Zentralgetriebe mit Zahnriemenantrieb als Alternative zur klassischen Kettenschaltung.

Ein typischer Vertreter dieser Zunft ist etwa das „Revelstoke“ von Van Nicholas (Rahmenset ab 2099 Euro, Komplettrad ab 3899 Euro), dessen Titanrahmen besonders langlebig und unempfindlich ist und das den Verzicht auf eine Federung durch die neue B-plus-Bereifung kompensiert.

Alleskönner

Einfach ausgedrückt, ist ein All-Mountain-Bike der Alleskönner: tourentauglich, mit aufrechterer Sitzposition, vollgefedert und dabei mit größeren Reserven in Sachen Federweg (130 bis 150 Millimeter) als Marathon-Bikes. Effizient genug für die Hausrunde und potent genug für den gelegentlichen Ausflug in die Alpen – so lässt sich das Anforderungsprofil für ein modernes All-Mountain-Bike beschreiben. Nicht mehr wegzudenken aus dieser Radkategorie sind inzwischen während der Fahrt höhenverstellbare Sattelstützen wie die Rock Shox „Reverb Stealth“: Mit ihrer Hilfe lässt sich der Sattel für technisch anspruchsvolle Passagen versenken – und genauso schnell wieder auf die hohe Position zum Pedalieren ausfahren. Das geht per Daumenschalter, ohne also eine Hand vom Lenker zu nehmen.

Ein typisches Beispiel dieser Gattung ist das „Whaka“ von Stevens, das in sechs Versionen (vier Aluminium- und zwei Carbonrahmen in unterschiedlicher Ausstattung) ab 2699 Euro zu haben ist. Hier zeigt sich, wie der Verbundwerkstoff Carbon auch in dieser Bike-Kategorie zunehmend Einzug hält und immer leichtere Räder ermöglicht. So bringt beispielsweise Felts Modell „Decree 40“ mit der günstigsten Ausstattung (3.799 Euro) unter 13 Kilogramm auf die Waage, während das Top-Modell Felt „Decree FRD“ sogar unter elf Kilogramm anzeigt – allerdings auch zum Preis von 9999 Euro.

Fullys der Gattung Enduro verbinden den Vielseitigkeitsgedanken des All-Mountain-Bikes mit den Anforderungen einer jüngeren, hochdynamischen Renndisziplin, dem Enduro-Rennen. Hier werden auf meist natürlichen, allerdings fahrtechnisch extrem anspruchsvollen Strecken einzelne Wertungsprüfungen gegen die Uhr gefahren, um anschließend auf ungezeiteten Überführungsetappen in Richtung der nächsten Wertungsprüfung zu radeln. Solche Veranstaltungen erstrecken sich oft über das gesamte Wochenende. Die Federwege liegen gemeinhin bei 160 Millimetern, wie bei Haibikes „Seet Nduro 8.0“ (2799 Euro) oder Stevens’ „Sledge“ (ab 2699 Euro).

Technisches Neuland betreten derzeit wenige Hersteller weltweit, die ein vollgefedertes Bike mit zentralem Rahmengetriebe von Pinion vorstellen. Carbonriemen-Hersteller Gates hat für solche Räder jüngst einen Riemenspanner vorgestellt – die Kombination Zentralgetriebe, Riemenantrieb und Vollfederung macht die Räder wartungsarm, gewichtsbalancierter und leiser.

Freeride und Downhill

Rasante Abfahrten und spektakuläre Sprünge zeichnen das Freeriden wie den Downhill-Sport gleichermaßen aus. Als Wettkampfdisziplin Downhill im Kampf um Tausendstelsekunden, beim Freeriden als ständige Suche nach dem fahrerisch Möglichen. Gefahren wird bei dieser Spielart des Mountainbikens nur bergab. Bergauf geht es entweder mit dem Lift oder per Shuttle-Fahrzeug. Das Material dafür: superstabile, vollgefederte Bikes mit langen Federwegen um 200 Millimeter.

Ein beispielhafter Vertreter ist das Haibike „Seet Dwnhll 9.0“ (3699 Euro): Es hat 27,5-Zoll-Laufräder und wiegt etwa 16,5 Kilogramm, was in der Klasse ziemlich leicht ist. Zudem bringt es 200 Millimeter Federweg an der flach angestellten Gabel sowie am Hinterbau mit. Weitere Ausstattungsmerkmale sind ein einzelnes Kettenblatt mit zehn Gängen am Hinterrad, 203-Millimeter-Scheibenbremsen und 2,35 Zoll breite Reifen.

Weitere Spielarten des Mountainbikes sind Dirt- sowie Dualbikes, dabei sind ihre Einsatzzwecke recht unterschiedlich. Dirtbikes werden vorwiegend für kunstvolle Sprünge über künstlich geschaffene Hügel verwendet. Eine Besonderheit ist die Disziplin Pumptrack, bei der kleine, wellige Rundkurse möglichst ohne Treten absolviert werden („pumpen“).

Dualbikes indes setzt man für Wettbewerbe ein, bei denen auf einer abschüssigen, mit Sprüngen und Steilkurven versehenen Strecke entweder zwei (Dual Slalom), vier (Fourcross/4X) oder acht Starter (Biker Cross) gegeneinander antreten – ähnlich wie beim BMX. Typische Merkmale dieser Art sind kleine, kompakter Hardtail- oder Fully-Rahmen mit geringem Federweg, oft ohne Schaltung und nur mit Hinterradbremse.

Ausgehend vom Touren-Mountainbike werden (mit Ausnahme der Dirt- und Dualbikes) mittlerweile alle Varianten des Mountainbikes auch elektrisch angeboten. Das gilt für gewichtsoptimierte Marathon-Fullys wie das Haibike „Xduro Full Seven Carbon 10.0“ (11999 Euro und 19 kg) über Enduro-E-Mountainbikes wie das Flyer „Uproc7“ (ab 4699 Euro, mit Zwei-Gang-Getriebe im Mittelmotor) oder das „E-Sledge+“ von Stevens für 4599 Euro bis hin zum elektrifizierten Downhill-Boliden Haibike „Xduro Dwnhll 10.0“ für 7999 Euro. (ampnet/jri)

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Mountainbiking.

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Mountainbike: 26 oder 29 Zoll – letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Mountainbike: 26 oder 29 Zoll – letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

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Zentrales Rahmengetriebe von Pinion.

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Haibike Seet Dwnhll 90.

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Haibike X-Duro Full Seven.

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