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Lkw in Europa: Mehr Freiheiten – strengere Regeln

Zwar geht die Zahl der Verkehrsunfälle bei denen Tote oder Verletzte zu beklagen und an denen schwere Nutzfahrzeuge beteiligt sind seit Jahren nach unten, doch beläuft sie sich in Deutschland immer noch auf mehr als 30 000 pro Jahr. Bis zu einem Drittel aller von der Polizei kontrollierten Fahrzeuge sind überladen, was nicht nur die Sicherheit beeinträchtigt, sondern darüber hinaus zu Straßenschäden führt. Allein das kostet den Steuerzahler schätzungsweise 950 Millionen Euro pro Jahr. Zudem sind Lastwagen meist wenig aerodynamisch konstruiert, was sich auf Verbrauch und Umweltfreundlichkeit ebenso nachteilig wie auf das Blickfeld des Fahrers auswirkt.

Die derzeit geltenden Vorschriften mit Spezifikationen für schwere Nutzfahrzeuge in Europa stammen aus dem Jahr 1996 und sind inzwischen überholt. Bereits vor zwei Jahren hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, sie zu aktualisieren, jetzt brachte das Europäische Parlament in Straßburg neue Leitlinien auf den Weg. In den nächsten Wochen will auch der Rat der Europäischen Union darüber abstimmen. Fällt die Entscheidung positiv aus, können Unternehmen voraussichtlich ab 2018 aerodynamische Luftleiteinrichtungen und ab 2020 umweltfreundliche Führerhäuser auf den Markt bringen.

Im Kern entschieden sich die Europa-Abgeordneten dafür, in den Fahrzeugen integrierte Wiegesysteme mit dem Fahrtschreiber zu kombinieren sowie Messstellen an den wichtigen Hauptstraßen einzurichten, die das Gewicht der Fahrzeuge während der Fahrt wiegen. Auf diese Weise sollen länderübergreifende einheitlichere Kontrollen ermöglicht werden. Mehr Sicherheit sollen zudem andere Bauformen der Fahrerkabine gewährleisten, die das Sichtfeld des Fahrers vergrößern und damit die Gefahr für Fußgänger und Radfahrer besonders an Kreuzungen senken. Darüber hinaus dürfen nach den neuen Vorschriften Lastkraftwagen und Busse, die hauptsächlich im Stadtverkehr eingesetzt werden, zusätzliches Gewicht aufweisen, wenn dieses aufgrund schwererer Batterien für alternative Antriebssysteme wie Hybrid- oder Elektro-Antriebe erforderlich ist. Das Ladevermögen der Lkw dagegen bleibt unverändert.

Eine wesentlich verbesserte Aerodynamik der Fahrzeuge soll zudem den Kraftstoffverbrauch im Lkw-Fernverkehr um sieben bis zehn Prozent senken und damit einen enormen wirtschaftlichen und ökologischen Beitrag leisten. Bei einem auf weiten Strecken eingesetzten Lkw, der jährlich durchschnittlich 100 000 Kilometer zurücklegt, bedeutet dies für die Verkehrsunternehmen Einsparungen von rund 5000 Euro pro Jahr. Mautpflichtige schwere Nutzfahrzeuge legten laut Bundesamt für Güterverkehr im Jahr 2014 rund 28 Milliarden Kilometer auf dem gebührenpflichtigen Streckennetz in Deutschland zurück. Die Fahrleistung ausländischer Lastwagen stieg insgesamt um 6,9 Prozent, während die Fahrleistung deutscher Lkw um 0,6 Prozent zulegte. Der Anteil deutscher Lkw verringerte sich gegenüber dem Vorjahr von 62,2 Prozent auf 60,7 Prozent.

"Die heutige endgültige Zustimmung des Europäischen Parlaments ist ein wichtiger Erfolg und bringt uns unserem Ziel einen Schritt näher, die Sicherheit der Lkw auf unseren Straßen zu erhöhen", freute sich EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc, als der Beschluss des EU-Parlament gefallen war. "Der Vorschlag trägt dazu bei, Emissionen und Zahl der Todesopfer auf unseren Straßen zu senken und die Kraftstoffkosten für die Speditionen zu verringern." (ampnet/hrr)

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Mercedes-Benz Future Truck.

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Foto: Auto-Medienportal.Net/Daimler

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