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Quad-Unfälle: In Kurven gerne auch mal geradeaus

2003 eroberte eine neue Fahrzeugart sprunghaft den deutschen Markt: Quads. Seit dem werden jährlich über 15 000 der „leichten vierrädrigen Kraftfahrzeuge“, wie sie beim Kraftfahrt-Bundesamt offiziell heißen, neu zugelassen (nicht mitgerechnet sind die kleinen Fahrzeuge mit maximal 50 Kubikzentimeter Hubraum und 45 km/h Höchstgeschwindigkeit). Von ihnen, so hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Versicherungswirtschaft jetzt in einer Studie festgestellt, geht eine deutliche erhöhte Unfallgefahr aus. Neben den technischen Tücken der Fahrzeuge ist dafür auch die laxe Führerscheinregelung für Quads und ATV (All Terrain Vehicles) verantwortlich, für die in der Regel die Pkw-Fahrerlaubnis reicht. „Würde es sich um eine Risikosportart handeln, würde man sie vermutlich verbieten“, sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann überspitzt.

Das Risiko, als Fahrer eines Quads bei einem Unfall verletzt oder getötet zu werden, ist zehnmal höher als bei einem Pkw, hat die Unfallforschung der Versicherer festgestellt. Bei 85 Prozent der Quad-Unfälle mit Personenschaden sind die Fahrer selbst auch die Hauptverursacher. „Das ist eine atemberaubende Zahl“, meint Siegfried Brockmann und nennt als Vergleich die ebenfalls schon hohen 65 Prozent bei Motorradfahrern. Auch der Anteil der Alleinunfälle liegt mit 41 Prozent eklatant über den Werten bei Pkw (13 %) und Motorrädern (17 %).

85 Prozent der von der UDV ausgewerteten Unfälle fanden auf trockener Fahrbahn und bei Tag statt. Brockmann spricht von einer unheilvollen Allianz aus „kein ABS, hohe Lenkkräfte und fehlendes Differenzial“. Gerade letzteres macht die Quads, die zudem in den allermeisten Fällen noch mit einem unsensibel reagierendem Daumengasschieber ausgerüstet sind, zu schwer beherrschbaren Fahrzeugen. Das fehlende Differenzial (Ausgleich der unterschiedlichen Wege von kurveninnerem und kurvenäußerem Rad) sorgt dafür, dass Richtungsänderungen besonders problematisch sind. Zwei Drittel der Unfälle, die durch eigene Fahrfehler zustande kommen, fallen in die Kategorie „Abkommen von der Fahrbahn“, wobei es häufig zum Zusammenstoß mit dem Gegenverkehr oder einem Hindernis neben der Fahrbahn kommt. Genau dieses Szenario haben die Unfallforscher der Versicherer bei Tests mit Tempo 50 auf dem Dekra-Crashtest-Gelände im schleswig-holsteinischen Neumünster simuliert. In einem Fall landete das über 300 Kilogramm schwere Fahrzeug nach dem Überschlag dabei direkt auf dem Dummy. Dass Quads an sich stabile Gefährte sind, zeigen auch die Crashtests. Bis auf verbogene Lenker und Spiegel sind sie nach der Unfallsimulation äußerlich weitgehend unbeschädigt. Das gilt für den Fahrer natürlich nicht.

Wie ernst das Thema ist, beweist auch, dass die EU ab 2016 zwingend ein Differenzial bei neu entwickelten Quads vorschreibt. Siegfried Brockmann appelliert an die Hersteller, dies schon jetzt freiwillig bei den bestehenden Produkten umzusetzen. Am Gefahrenpotenzial des Altbestandes, der sich wegen der geringen jährlichen Kilometerleistung noch lange halten dürfte, ändert aber auch das Gesetz nichts. Daher befürworten die Unfallexperten ebenso eine verpflichtende dokumentierte Fahreinweisung, da weder der Auto- noch der Motorradführerschein für die spezielle Fahrzeuggattung geeignet sei. Ebenso plädiert Brockmann für eine schärfere Abgrenzung von freizeitorientierten Quads und den in der Land- und Forstwirtschaft (LoF) eingesetzten ATV.

Die UDV-Studie beruht auf rund 640 Quad-Unfällen der Jahre 2009 bis 2012 aus Bayern und aus den Versicherungsakten. Eine amtliche bundesweite Statistik wird erst im kommenden Jahr eingeführt. Die UDV geht nach dem Abgleich der Daten aus Bayern und denen der Versicherungswirtschaft aber davon aus, dass die Ergebnisse der Studie auf ganz Deutschland übertragbar sind. (ampnet/jri)

Weiterführende Links: UDV

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Quad-Crashtest der UDV auf dem Dekra-Gelände in Neumünster.

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Quad-Crashtest der UDV auf dem Dekra-Gelände in Neumünster.

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Quad-Crashtest der UDV auf dem Dekra-Gelände in Neumünster.

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Quad-Crashtest der UDV auf dem Dekra-Gelände in Neumünster.

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Quad-Crashtest der UDV auf dem Dekra-Gelände in Neumünster.

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Quad-Crashtest der UDV auf dem Dekra-Gelände in Neumünster.

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Quads haben ein tückisches Fahrverhalten.

Quads haben ein tückisches Fahrverhalten.

Foto: Auto-Medienportal.Net/UDV

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Quad-Crashtest: UDV-Leiter Siegfried Brockmann im Interview.

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Quads – Unfälle vorprogrammiert

Video: Auto-Medienportal.Net/UDV

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