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Buchvorstellung: Abgesang auf MZ

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Zukunft der Marke so ungewiss wie nie ist, kommt ein neues Buch über MZ heraus – oder vielleicht aber gerade deshalb. In „Made in Zschopau“ widmet sich Autor René Zapf fast ausschließlich, dafür aber umso intensiver der 23 Nachwende-Jahre des traditionsreichen Motorradherstellers aus dem Erzgebirge.

Knapp ein Dutzend Seiten entfallen zu Beginn auf die Firmenhistorie von 1907 bis 1989, die mit DKW begann und zu der zeitweilig auch der Status des größten Motorradherstellers der Welt gehörte. Auch zu DDR-Zeiten war MZ durchaus auch im Westen ernstzunehmen, fuhren die Zweitakter aus Sachsen doch immerhin zwei Grand-Prix-Vizemeisterschaften und etliche Trophäen im internationalen Geländesport wie den Six Days ein. Mit der Wende brach für MZ dann 1990 der Markt weg. Das Zweitaktprinzip war veraltet, die maximal 300 Kubikzentimeter auf Dauer nicht genug, und die D-Mark verteuerte die bis dato im Westen konkurrenzlos preisgünstigen Maschinen. Dennoch gelang relativ rasch auf Basis der alten Rahmen der Sprung zu Viertakt-Mittelklasse-Motorrädern. Zur 500er Saxon, die auch mit Beiwagen angeboten wurde, gesellte sich schon 1994 die mit Designpreisen ausgezeichnete Scorpion. Die Motoren kamen von Rotax und Yamaha. Die Verkaufszahlen blieben in beiden Fällen aber weit hinter den Erwartungen zurück. MZ kränkelte von Anfang an vor allem am nachhaltigen DDR-Image.

1996 sprang dann der malayische Mischkonzern Hong Leong ein. Das bot durchaus eine Perspektive, war MZ doch in kleinen Hubräumen zu Hause und der asiatische Markt riesig. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht und die Liaison zerbrach nach zwölf Jahren, denn in Zschopau hatte man noch ehrgeizigere Pläne, die dem Mutterkonzern am Ende zu teuer waren. MZ engagierte sich nicht nur verstärkt im Motorsport, sondern wollte mit einer 1000er in den Kreis der Konkurrenz vorstoßen. Das zunächst Weg weisende Motorrad erwischte mit kleinen Kinderkrankheiten einen schlechten Start und litt nun nicht nur allein unter dem immer noch anhaftenden DDR-Ruf, sondern nun eben auch unter der ungewissen finanziellen Zukunft der Traditionsmarke überhaupt. Die Fachpresse zeigte sich zwar begeistert, doch den Sprung von der 125er-Zweitakter zur großen 1000er weckte bei potenziellen Käufern Zweifel. Da half auch ein zweiter Platz in einem Vergleichstest unter fünf Kandidaten nicht viel, und so wurde das Hoffnungsmodell letztendlich zum Sargnagel.

Statt des Superbikes erwies sich am Ende der minimalistische Elektroroller Charly als Bestseller bei MZ – zu wenig für eine tragfähige Zukunft. Zuletzt versuchte sich die Traditionsmarke mit dem Bau von Rollern aus asiatischen Massenteilen über Wasser zu halten, wobei auch hier mit einer Hybridversion die Zschopauer einmal mehr technisches Potenzial bewiesen. Viele Fans der Marke fragen sich auch bis heute, ob MZ beispielsweise aufgrund der eigenen Geschichte nicht als Nischenanbieter für Motorradgespanne eine kleine Chance gehabt hätte. Auch das Engagement im Motorradsport, das etliche Seiten füllt, erwies sich am Ende als Sackgasse.

Im September vergangenen Jahres stellte das Unternehmen schließlich den Insolvenzantrag. Ein neuer Investor ist bis heute nicht gefunden. So darf das – überaus lesenswerte – Werk von René Zapf durchaus als Abgesang verstanden werden. Viele bislang unveröffentlichte Fotos und Einblicke in zweifelhafte Managemententscheidungen sowie der weitgehende Verzicht auf Ostalgie das Buch besonders aus. Auch erliegt der Autor nicht vollends der Dolchstoßlegende, MZ sei unter anderem an der Gegenwehr des zweiten etablierten deutschen Motorradherstellers gescheitert, streift diesen Aspekt aber natürlich ebenfalls. Das große Verdienst von Zapf ist seine – bei aller Liebe zur Marke – kritische Distanz So etwas ist heute in Motorbüchern selten geworden.

„Made in Zschopau – Motorräder mit Herz“ von René Zapf ist im Chemnitzer Verlag erschienen. Das Buch hat 206 Seiten mit zahlreichen Fotos und kostet 22,50 Euro. (ampnet/jri)

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„Made in Zschopau“ von René Zapf.

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„Made in Zschopau“ von René Zapf.

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